Wie umgehen mit medizinischem Gaslighting?

Der Begriff Gaslighting steht für Fremdbestimmung und psychische Manipulation, die vor allem in Beziehungen vorkommen. Aber auch im Verhältnis zwischen PatientIn und Arzt bzw. Ärztin taucht er öfter auf. Da Medical Gaslighting für Betroffene sehr belastend ist und oftmals zu einer Odyssee durch Arztpraxen oder schlimmstenfalls zu unbehandelten Beschwerden führt, wollen wir dies nicht ganz neue Phänomen erklären und dabei auch die ärztliche Perspektive nicht vergessen. Der Patient oder oftmals die Patientin kommt mit eher unspezifischen Beschwerden in die Praxis und hofft auf eine fundierte Diagnose an Hand angemessener Untersuchungen. Doch stattdessen kommt es immer öfter zu Beurteilungen, die die Symptome abbügeln oder als nicht so schlimm abwerten. Betroffene fühlen sich dann mit ihren vorhandenen Symptomen weder ernst genommen noch angemessen behandelt,…

Neuer Trend Fibermaxxing

Seit letztem Jahr macht sich in den sozialen Medien das Fibermaxxing breit, was so viel wie „maximierte Ballaststoffe“ heißt. Erreichen wollen Influencer damit eine optimale Verdauung, weniger Gewicht und eine gesunde Haut. Auch Ernährungsfachleute und Mediziner/innen feiern Ballaststoffe als einfaches Mittel um Herz- und Kreislauf- sowie Gefäßproblemen vorzubeugen. Die unverdaulichen pflanzlichen Nahrungsbestandteile reduzieren neben den Cholesterinwerten allgemein das Gewicht, da sie schneller und länger satt machen und dabei Blutzucker und Hormonspiegel stabilisieren. Doch wie immer kann man es auch hiermit übertreiben. Was letztlich zählt ist eine gesunde Mischung aus Ballaststoffen, Proteinen und Kohlenhydraten.

Bingewatching – mehr Glückshormone oder erhöhtes Suchtrisiko?

Nach einem stressigen Tag zieht es viele zum Entspannen auf die Couch. In Zeiten von Streamingdiensten hat man eine riesige Auswahl an Filmen und Serien. In der DVD-Ära nannte man es noch Serienmarathon, der Begriff Binge-Watching (zu Deutsch „Koma-Glotzen“) hat dagegen einen eher negativen Beigeschmack. Zum gelegentlichen Entspannen wird man sich kaum etwas dabei denken. Kritisch wird es aber, wenn Bingen die Einsamkeit überspielen und als Ersatz für Freunde herhalten soll. Damit beginnt ein problematisches Suchtverhalten. Hierzulande verbringen die Menschen laut Statistischem Bundesamt rund ein Drittel ihrer Freizeit mit TV und Streaming, also gut zwei Stunden täglich. Es macht also Sinn, sich eine aktuelle Studie aus China zum exzessiven Serienkonsum näher anzuschauen.

Immer mehr Koma-Glotzer
Typische Binge-Watcher sind meist jung und weiblich und in der Freizeit vor allem auf der Suche nach Spaß und Ablenkung vom Alltag. Zum Bingen werden vor allem Comedy-, Crime- und Fantasy-Serien genutzt. Hat man einmal eine Serie gestartet, muss man nicht mehr aktiv entscheiden die nächste Folge zu schauen, sie läuft automatisch weiter. Intros können direkt übersprungen und sogar die Abspielgeschwindigkeit erhöht werden. Und der wöchentliche Streamingkonsum steigt statistisch von Jahr zu Jahr an. Kein Wunder, wenn Nutzer/innen angeben, Koma-Glotzen vor allem wegen der positiven Gefühle und dem Glückshormon Dopamin zu betreiben. Genau hierin steckt das größte Suchtpotenzial, denn mit quasi jeder Sucht versucht man die Dopaminproduktion anzukurbeln.

Flucht vor Einsamkeit

Demnach dient Binge-Watching oft nicht nur der Unterhaltung, sondern um negativen Gefühlen zu entkommen bzw. positive Emotionen zu wecken. Für Menschen, die sich einsam fühlen hilft es bei der Kompensation negativer Gefühle, was wiederum das Suchtverhalten verstärkt. Serien dienen als Rückzugsort, bieten Spannung und aufgrund der vertrauten Figuren auch Geborgenheit. Befragte Studienteilnehmer sahen täglich mindestens 3,5 Stunden lang TV-Serien. Deutsche Forscher bestätigen, dass insbesondere die Flucht aus der Einsamkeit zum Bing-Watching verführt. Laut einer Burda Studie bingen 44 Prozent der weiblichen Streamingnutzer, bei den männlichen Zuschauern sind es 38 Prozent.

Sucht- und Gesundheitsrisiken
Neben dem Suchtpotenzial machen sich weitere negative Begleiterscheinungen bemerkbar wie Schlafstörungen bzw. Schlafmangel. Wer die Nacht mit der Lieblingsserie verbringt, ist am nächsten Tag müde und weniger leistungsfähig. Gedächtnis und Gesundheit leiden und oft werden auch die sozialen Kontakte vernachlässigt. Oftmals geht exzessives Serien-Schauen zulasten von Fitness, Bewegung und gesunder Ernährung. Beunruhigend: schon 2016 hatte eine Studie Zusammenhänge von Binge-Watching und Depressionen erkannt. Die vielen Stunden vor dem Bildschirm verringerten die Myelin-Produktion, die für die Weiterleitung elektrischer Signale des zentralen Nervensystems wichtig ist. Fällt diese aus oder wird blockiert, begünstigt dies die Entstehung von Depressionen und Angstzuständen. Binge-Watching schadet demnach gleichermaßen Körper und Psyche.

Bewusster Serien-Konsum
Wie also könnte man Binge-Watching verträglicher machen? Beispielsweise indem man die Autoplay-Funktion ausschaltet, sich vorher ein Zeitlimit setzt oder nur bestimmte Tage für Serien festlegt. Soziale Kontakte lassen sich durch gemeinsames Bingen oder bewusste Serien-Pausen aktivieren, in denen man sich mit Freunden trifft und anderen Hobbies nachgeht. Solange das Bingen nur hin und wieder stattfindet und der Unterhaltung dient und nicht etwa eine innere Leere und fehlende Alternativen überdeckt, ist es ungefährlich und kann Stress reduzieren. Dies zeigen auch eigene Netflix-Studien.

Lebensretter Smartwatch?

Modernen Wearables wie Fitnesstrackern und Smartwatches werden zahlreiche gesundheitsfördernde Vorteile nachgesagt. Anfangs ging es noch um Schrittzählung und Bewegungsüberwachung. Sie erinnerten daran sich mehr zu bewegen, regelmäßig zu trinken oder kontrollierten regelmäßig den Puls. Für viele wurden sie bald zum ständigen Begleiter, überwachen inzwischen aber mehr als die tägliche Fitness. Je nach Ausstattung sind sie heute in der Lage ein EKG zu schreiben, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz anzuzeigen und sogar einen Alarm bei Herzrhythmusstörungen abzusetzen. Für Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen könnten Smartwatches somit sogar zum Lebensretter werden, weil das Herzstolpern von Betroffenen oft nicht wahrgenommen wird.

Nicht immer verlässlich
Doch sind das nur Werbeversprechen oder wie hoch ist der medizinische Mehrwert wirklich? Um ein tägliches Bewegungsprofil zu erstellen oder sportliche Motivationsziele zu setzen, machen Sie durchaus Sinn. Auch zur laufenden Kontrolle von Trainings- und Ruhepuls sind Smartwatches ideal. Aber beim Thema Schlafqualität lässt die Verlässlichkeit der Werte oft zu wünschen übrig. Bei Schlafproblemen verunsichern sie die Nutzer/innen eher, als dass sie diese beheben. Viele machen Aussagen zu Schlafphasen, die im Grunde nur ein Schlaflabor treffen kann. Und wer eigentlich keine Probleme hat, den können Hinweise auf mangelnde Schlafqualität mindestens irritieren.

Vorhofflimmern erkennen
Auch die Anzeigen zur Sauerstoffsättigung des Blutes ist oft fehlerhaft und deshalb zur Kontrolle der Lungenfunktion kaum geeignet. Tritt dagegen erstmalig und unbemerkt ein gefährliches Vorhofflimmern auf, kann der Alarm einer Smartwatch Leben retten. Oft sind Patienten bei Vorsorgeuntersuchungen ohne Beschwerden und werden erst durch die digitale Überwachung auf ein Herzproblem aufmerksam. Allerdings sollte sich niemand ausschließlich auf Wearables verlassen. Als Alltags-Betreuer sind moderne Geräte dagegen gut geeignet, auch wenn laut einer neuen Studie jeder zweite Alarm unnötig ist.

 

 

Frühjahrsputz für Haut und Haar

Was Haus und Garten jetzt guttut, kann auch für Haut und Haar eine Wohltat sein. Doch während drinnen und draußen mit grobem Gerät und oft viel Chemie gestutzt und geputzt wird, sollte man beim Peelen genau drauf achten, was man der eigenen Haut zumutet. Neben Nachhaltigkeit und Verzicht auf umweltschädliche Plastikzusätze, zählen vor allem natürliche Texturen zu den wirksamen und gesunden Peeling-Stoffen. Körper, Gesicht und Haare benötigen unterschiedliche Zusätze, will man nicht nur den Winterblues und abgestorbene Partikel loswerden, sondern eine anhaltend pflegende Wirkung erreichen. Grundsätzlich unterscheidet man drei Typen: mechanische, chemische und enzymatische Peelings. Doch für wen eignet sich was und worauf sollten die unterschiedlichen Hauttypen achten?

Von Kopf bis Fuß
Fängt man bei der Kopfhaut an, hat man die Wahl zwischen chemischer und mechanischer Tiefenreinigung. Hier ist ein chemisches Peeling mit PH- oder AH-Säuren ohne Schleifpartikel die mildere Variante, die vor allem bei trockener, schuppiger oder auch empfindlicher Kopfhaut geeignet ist. Schuppen werden so sanft gelöst und zusätzlich je nach Inhaltsstoffen die Talgproduktion reguliert. Bei flächigen fettigen Schuppen und schnell fettenden Haaren ist ein mechanisches Peeling dagegen wirksamer. Aber auch BH-Säuren eines chemischen Peelings kommen bei starker Talgproduktion und öliger Kopfhaut in Frage. Mechanische Peelings für die Kopfhaut enthalten meist Salz, Zucker, Silica oder Aprikosenkernpulver. Das Peeling ist die Basis für gesundes Haarwachstum und kann je nach Bedarf alle paar Wochen angewendet werden, besonders bei Schuppen, fettigem Haar oder juckender Kopfhaut. Es hilft Rückstände von Pflegeprodukten gründlich zu entfernen, fördert die Durchblutung und reinigt die Haarwurzeln.

DIY-Peelings aus der Küche
Ähnlich wie bei einem Hautpeeling kann man sich hier mit Meersalz oder Rohzucker, Öl und natürlichen Zusätzen wie Lavendel- oder Teebaumöl ein Peeling einfach selbst herstellen. Bei fettiger Kopfhaut hilft auch ein Peeling aus Heilerde. Ähnliche DIY-Peelings mit Obst- und Nusskernmehl, Heil- und Mineralerden oder Papaya, Ananas und reife Banane für ein wirksames Enzympeeling kann man für Gesicht und Körper verwenden. Am besten wirken Peelings am Abend nach der Reinigung, wenn Irritationen während der Nacht abklingen können. Mit kreisenden Bewegungen vermeidet man zu starkes Rubbeln, und die porentiefe Reinigung beseitigt trockene Stellen und fördert die Regeneration.

Vorsicht bei Pickeln oder Akne
Je nach Hauttyp gilt es bestimmte Inhaltsstoffe aber besser auszuschließen. Unreine oder zu Couperose neigende Haut dürfen nicht mit einem mechanischen Peeling, sondern nur mit milden Enzympeelings behandelt werden. Bei normaler Haut kann man auch nach seinen Vorlieben entscheiden, sollte aber bei regelmäßiger Anwendung besser ein mildes Enzympeeling wählen. Und je trockener die Haut ist, desto häufiger braucht sie ein Peeling, damit man die sich ständig neu bildenden Hautschüppchen loswird und die Pflege optimal aufgenommen werden kann. Tiefgehende chemische Peelings sind für den Hausgebrauch oftmals zu aggressiv und gehören in die Hand von Kosmetikprofis.

Mikroplastik erkennen
Fertigpeelings können Mikroplastik enthalten. Da hilft nur der Blick auf die INCI-Liste: Stoffe die mit Poly- beginnen weisen oft auf Kunststoffe hin. Naturkosmetik-Peelings z. B. von Börlind, Dr. Hauschka oder Weleda, verzichten dagegen auf Mikroplastik. Auch Apps zum Scannen des Barcodes können beim hautschonenden und umweltfreundlichen Einkauf helfen (z. B. Code-Check, Yuka, ToxFox oder Inci-Beauty). Durch individuelle Einstellungen helfen sie auch individuelle allergische Stoffe zu identifizieren.

Apotheken-Protesttag Ende März

Auch wir wollten uns am 23.3.26, dem bundesweiten Streiktag beteiligen. Doch anders als ursprünglich geplant durften die Bären-Apotheken nur eingeschränkt schließen. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte der hiesigen Apothekerkammer die Genehmigung für ganztägige Protestschließungen bzw. Streiks zur Teilnahme an den Großkundgebungen untersagt. Das allgemein gültige deutsche Streikrecht endete somit am Eingang zur Apotheke. Anders als bei den Streiks 2023, die mittwochs stattfanden, wurde ein Montag im Ländle nicht gestattet. Zumindest die Bären-Apotheken in Herrenberg und Rottenburg blieben während der Kundgebungszeit zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen. Außerdem blieb das Licht aus und alle Mitarbeiter/innen trugen Schwarz um auf den Niedergang der Apotheken hinzuweisen. Es ist fünf vor Zwölf, aber die Politik handelt noch immer nicht. Deshalb war der 23.3. ein zwingend notwendiges Signal an die Politik, endlich tätig zu werden und die im Koalitionsvertrag zugesicherte Erhöhung des Apothekenhonorars in die Tat umzusetzen. Da unsere Tübinger Apotheke an diesem Tag Notdienst hatte, musste sie allerdings geöffnet bleiben.

Apotheken-Schließungen nehmen zu
Eine Folge der finanziellen Probleme durch das politische Nichthandeln sind seit Jahren zunehmende Apotheken-Schließungen in den Städten, aber vor allem im ländlichen Raum, wo der Weg zur nächsten Apotheke immer länger wird. Nachfolger sind für Apotheken kaum noch zu finden, da die finanziellen Risiken einfach zu groß sind, wie ein zu geringer Ertrag bei weiter steigenden Anforderungen sowie immer geringeren Chancen auf notwendige neue Mitarbeiter/innen bei immer schlechteren Arbeitsbedingungen. Der Druck durch ausländische Versandapotheken, die sich nicht an hiesige Regeln halten müssen, tut ein Übriges dazu. Die Politik scheint genau dies aber in Kauf zu nehmen: weniger Apotheken, mit immer mehr Aufgaben bei rückläufiger Entlohnung zu belasten. Das ist inakzeptabel und spart eine ganze Berufssparte kaputt. Deshalb: sprechen Sie uns jederzeit an und zögern Sie nicht Ihre Fragen zu stellen!

Wie umgehen mit medizinischem Gaslighting?

Der Begriff Gaslighting steht für Fremdbestimmung und psychische Manipulation, die vor allem in Beziehungen vorkommen. Aber auch im Verhältnis zwischen PatientIn und Arzt bzw. Ärztin taucht er öfter auf. Da Medical Gaslighting für Betroffene sehr belastend ist und oftmals zu einer Odyssee durch Arztpraxen oder schlimmstenfalls zu unbehandelten Beschwerden führt, möchten wir dies nicht ganz neue Phänomen erklären und auch die ärztliche Perspektive nicht vergessen. Der Patient oder oftmals die Patientin kommt mit eher unspezifischen Beschwerden in die Praxis und hofft auf eine fundierte Diagnose, an Hand angemessener Untersuchungen. Doch stattdessen kommt es immer öfter zu Beurteilungen, die die Symptome abbügeln oder als nicht so schlimm bewerten. Betroffene fühlen sich dann mit ihren vorhandenen Symptomen weder ernst genommen noch angemessen behandelt, vor allem bei unspezifischen Schmerzen und Erschöpfungszuständen. Die Ursachen seien nicht belegbar und eher bei zu viel Stress oder psychosomatischen Gründen zu suchen. Man müsse nur seine Einstellung und sein Verhalten ändern, dann würden die Symptome wieder verschwinden.

Ist man selbst schuld?
Nicht selten fühlt man sich nach einer solchen „Diagnose“ wie ein Hypochonder mit eingebildeten Beschwerden und sucht die Ursachen für diese bei sich selbst. Häufig betroffen sind hiervon vor allem Frauen, was das medizinische Gaslighting nicht selten zu einem Gender-Health-Gap führt, wenn das Geschlecht über den Erfolg einer Behandlung entscheidet. Die Medizin orientiert sich noch immer überwiegend am männlichen Körper als an weiblichen Besonderheiten wie Hormonlage, geringerem Gewicht, häufig atypischen Symptomen und selten an Arzneimittel-Studien, die gleichermaßen weibliche wie männliche Probanden einschließen.

Fehlende Gender-Medizin
Gerade Frauen kommen oftmals mit unklaren Symptomen wie Schwindel, Erschöpfung und Kreislaufbeschwerden in die Praxis. Wenn dann der Blutdruck aber unauffällig ist und auch ein erstes EKG keine Besonderheiten zeigt, werden oft keine weiteren Mittel der Diagnostik eingesetzt. Beschwerden sind dann schnell „normal“ oder hormonell bedingt oder lassen sich durch mehr Sport oder eine Gewichtsreduzierung in den Griff kriegen. Häufig von medizinischem Gaslighting betroffen sind chronische Erkrankungen wie Autoimmunstörungen, Migräne, Endometriose aber auch Herzbeschwerden, die bei Nichterkennen kritisch oder durch Tipps wie „machen Sie mehr Sport“ schnell gefährlich werden können.

Kostendruck und Zeitmangel
Eine unzureichende Anamnese ist oft dem Zeitdruck und nicht zuletzt notwendiger Kostenreduzierung der Praxen insbesondere bei Kassenpatienten geschuldet. Jede/r Patient/in hat aber das Recht auf eine zweite Meinung und sollte diese bei einer Diagnose, die sich nicht an den genannten Symptomen orientiert auch nutzen. Es wäre bei einem weiteren Termin wichtig sich auf das Gespräch mit dem/der Arzt/Ärztin vorzubereiten und vorab konkrete Fragen zu formulieren.

Sich Unterstützung holen
Wenn man sich unsicher fühlt, kann auch die Begleitung durch einen Familienangehörigen oder eine Vertrauensperson sinnvoll sein. Man sollte wissen, dass es zahlreiche Krankheitsbilder gibt, bei denen bis zur endgültigen Diagnose mitunter Jahre vergehen können, denn nicht immer passt das ärztliche Profil zum Krankheitsbild. Bei der Unterleibserkrankung Endometriose z. B. haben viele Frauen eine jahrelange Praxen-Odyssee hinter sich. Ähnliches gilt für die chronischen Erschöpfungszustände bei ME/CFS und für manche seltene Autoimmunerkrankung.

Tagebuch führen
Hilfreich ist es, um eine Bagatellisierung zu verhindern, ein Krankheits- oder Schmerz-Tagebuch zu führen, wo man festhält, wann, wie oft und wie stark welche Symptome auftreten. Im Zweifelsfall sollte man konkret nach bestimmten Untersuchungen wie Langzeit- oder Belastungs-EKG, einem MRT oder tiefergehenden Blutuntersuchungen fragen. Je besser vorbereitet man in ein Arzt-Gespräch geht, desto schwieriger wird es Symptome kurzer Hand abzuwiegeln.

Neuer Trend Fibermaxxing

Seit letztem Jahr macht sich in den sozialen Medien das Fibermaxxing breit, was so viel wie „maximierte Ballaststoffe“ heißt. Erreichen wollen Influencer damit eine optimale Verdauung, weniger Gewicht und eine gesunde Haut. Auch Ernährungsfachleute und Mediziner/innen feiern Ballaststoffe als einfaches Mittel um Herz- und Kreislauf- sowie Gefäßproblemen vorzubeugen. Die unverdaulichen pflanzlichen Nahrungsbestandteile reduzieren neben den Cholesterinwerten allgemein das Gewicht, da sie schneller und länger satt machen und dabei Blutzucker und Hormonspiegel stabilisieren. Doch wie immer kann man es auch hiermit übertreiben. Letztlich zählt eine gesunde Mischung aus Ballaststoffen, Proteinen und Kohlenhydraten. Weizen- gegen Vollkornprodukte tauschen, in den Tag mit Haferflocken starten, mittags Gemüse mit Hülsenfrüchten kombinieren und zwischendurch zwei bis drei Portionen Obst und Nüsse essen hält gesund und fit.

Gesunde Ballaststoffe
Empfohlen werden für Erwachsene 30 g pro Tag, die man beim Fibermaxxing übertreffen sollte. Aber für wen ist dieser Ballaststoff-Boom sinnvoll und für wen gar gefährlich? Um den Regeln des Fibermaxxings zu folgen, braucht es regelmäßig hochwertige Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte wie Linsen sowie Samen und reichlich ballaststoffreiches Gemüse wie Kohl, Fenchel, Paprika, Rote Bete oder Möhren. Eine solche Mahlzeit ist durchaus gesund. Aber was passiert mit der Verdauung, wenn sie diese Vielzahl an Ballaststoffen täglich verarbeiten muss? Grundsätzlich halten sie unsere Verdauung in Schwung, regen Darmtätigkeit und Gallensaft an und stärken nebenbei das Immunsystem.

Zu viel hilft hier wenig
Aber wie so oft hat alles seine Grenzen, die spätestens dann erreicht sind, wenn man zusätzlich Ballaststoffpulver oder andere High-Fiber-Produkte zu sich nimmt. Angepriesene Mengen von 50 bis 100 g täglich sind zu viel und können zu Verstopfung, Blähungen und Krämpfen führen. Besonders kritisch sind sie für einen Reizdarm, chronische Darmentzündungen oder auch -verengungen. Auch die Aufnahme einzelner Medikamente kann durch ein Übermaß an Ballaststoffen beeinträchtigt werden wie Cholesterinsenker, Herzglycoside und das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin. Grundsätzlich sollte man die gewohnten Ballaststoffanteile langsam steigern, darauf achten wie der Körper reagiert, auf Völlegefühl und Blähungen achten und dabei mindestens 1,5 Liter Trinken nicht vergessen.

Überzogene Erwartungen
Viele Versprechungen von Influencern wie ein flacher Bauch, reine Haut oder eine Darmsanierung sind dagegen überzogen und kaum belegbar. Auch die oft angepriesenen Flohsamen sollten als natürliche Ballaststoffe nicht im Übermaß zugeführt werden. Eine ausgewogene und pflanzenbetonte Ernährung ist dagegen sinnvoll und gesund. Und mehr Ballaststoffe sind in jedem Fall dem überzogenen Protein-Trend oder Low-Carb-Diäten vorzuziehen.