Neuer Trend Fibermaxxing

Seit letztem Jahr macht sich in den sozialen Medien das Fibermaxxing breit, was so viel wie „maximierte Ballaststoffe“ heißt. Erreichen wollen Influencer damit eine optimale Verdauung, weniger Gewicht und eine gesunde Haut. Auch Ernährungsfachleute und Mediziner/innen feiern Ballaststoffe als einfaches Mittel um Herz- und Kreislauf- sowie Gefäßproblemen vorzubeugen. Die unverdaulichen pflanzlichen Nahrungsbestandteile reduzieren neben den Cholesterinwerten allgemein das Gewicht, da sie schneller und länger satt machen und dabei Blutzucker und Hormonspiegel stabilisieren. Doch wie immer kann man es auch hiermit übertreiben. Letztlich zählt eine gesunde Mischung aus Ballaststoffen, Proteinen und Kohlenhydraten. Weizen- gegen Vollkornprodukte tauschen, in den Tag mit Haferflocken starten, mittags Gemüse mit Hülsenfrüchten kombinieren und zwischendurch zwei bis drei Portionen Obst und Nüsse essen hält gesund und fit.

Gesunde Ballaststoffe
Empfohlen werden für Erwachsene 30 g pro Tag, die man beim Fibermaxxing übertreffen sollte. Aber für wen ist dieser Ballaststoff-Boom sinnvoll und für wen gar gefährlich? Um den Regeln des Fibermaxxings zu folgen, braucht es regelmäßig hochwertige Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte wie Linsen sowie Samen und reichlich ballaststoffreiches Gemüse wie Kohl, Fenchel, Paprika, Rote Bete oder Möhren. Eine solche Mahlzeit ist durchaus gesund. Aber was passiert mit der Verdauung, wenn sie diese Vielzahl an Ballaststoffen täglich verarbeiten muss? Grundsätzlich halten sie unsere Verdauung in Schwung, regen Darmtätigkeit und Gallensaft an und stärken nebenbei das Immunsystem.

Zu viel hilft hier wenig
Aber wie so oft hat alles seine Grenzen, die spätestens dann erreicht sind, wenn man zusätzlich Ballaststoffpulver oder andere High-Fiber-Produkte zu sich nimmt. Angepriesene Mengen von 50 bis 100 g täglich sind zu viel und können zu Verstopfung, Blähungen und Krämpfen führen. Besonders kritisch sind sie für einen Reizdarm, chronische Darmentzündungen oder auch -verengungen. Auch die Aufnahme einzelner Medikamente kann durch ein Übermaß an Ballaststoffen beeinträchtigt werden wie Cholesterinsenker, Herzglycoside und das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin. Grundsätzlich sollte man die gewohnten Ballaststoffanteile langsam steigern, darauf achten wie der Körper reagiert, auf Völlegefühl und Blähungen achten und dabei mindestens 1,5 Liter Trinken nicht vergessen.

Überzogene Erwartungen
Viele Versprechungen von Influencern wie ein flacher Bauch, reine Haut oder eine Darmsanierung sind dagegen überzogen und kaum belegbar. Auch die oft angepriesenen Flohsamen sollten als natürliche Ballaststoffe nicht im Übermaß zugeführt werden. Eine ausgewogene und pflanzenbetonte Ernährung ist dagegen sinnvoll und gesund. Und mehr Ballaststoffe sind in jedem Fall dem überzogenen Protein-Trend oder Low-Carb-Diäten vorzuziehen.