Wechselwirkungen mit Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind gerade im Winter, in Erkältungszeiten oder anspruchsvollen Lebensphasen, die den Körper stärker fordern sinnvoll und gesunderhaltend. Immer wieder liest man, dass diese bei einer gesunden Ernährung und einem ausgewogenen Lebensstil unnötig wären. Oft folgen darauf die Reaktionen von Fachleuten, die das Gegenteil behaupten. Warum also jetzt wieder ein erneuter Angriff auf die tägliche Dosis Vitamine und Mineralstoffe?  Wer daneben regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte wissen, dass es in Kombination mit NEM-Produkten gefährliche oder unerwünschte Wechselwirkungen geben kann. Die meisten sind eher unbekannt und verschreibende Ärzte wissen oft gar nicht, dass der Patient zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe nimmt. Dabei haben NEM-Produkte auch Einfluss auf Laborwerte, den Hormonstatus, Blutzuckerspiegel sowie die Blutgerinnung.

Beeinflussung von Laborwerten
Fast alle Prozesse laufen im Körper unter Beteiligung von Mikronährstoffen ab, die wir im Idealfall alle durch die Nahrung zu uns nehmen. Manche werden auch erst im Organismus gebildet, wie z. B. Vitamin D. Medikamente, die nur hin und wieder genommen werden, belasten deshalb in der Regel unseren Stoffwechsel und wichtige Mikronährstoffe wenig. Bei einer regelmäßigen Einnahme sieht es dagegen anders aus, denn NEMs können die Wirksamkeit von Medikamenten und auch Laboruntersuchungen beeinflussen. Behandelnde Ärzte sollten deshalb über eine regelmäßige Einnahme Bescheid wissen. Der einfachste Weg wäre es auch Nahrungsergänzungsmittel in der E-PA der elektronischen Patientenakte, einzutragen. Auch eine zeitlich versetzte Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Medikamenten kann Wechselwirkungen verhindern.

Im zeitlichen Abstand einnehmen
Kritische Wechselwirkungen können sich z. B. bei der gleichzeitigen Einnahme von Eisen und Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol einstellen. Hier kommt es oft zu Reizungen von Magen oder Darm und entsprechender Übelkeit, Sodbrennen oder Verdauungsproblemen. Häufig treten bei Herzpatienten durch die Kombination von Kalium und ACE-Hemmern oder ASS als Blutverdünnern eine zu hohe Kaliumkonzentration im Blut auf. Auch bei Antibiotika und Schilddrüsenpräparaten gibt es einige NEMs, die die Wirkung blockieren können wie Calcium, Magnesium, Zink und Eisen. Mindestens zwei Stunden sollten deshalb zwischen den Einnahmen liegen.

Medikationscheck reduziert Risiken
Vitamin C reagiert ebenfalls in Kombination mit einigen Wirkstoffen wie z. B. Thrombosemedikamenten, gleichzeitig hilft es aber der Eisenaufnahme im Darm. Relativ bekannt ist das Problem mit Vitamin K, das man nicht mit Blutverdünnern kombinieren sollte, da es deren Wirkung hemmt. Auch das beliebte Vitamin D spielt bei einigen Medikamenten eine Rolle, weil es seine Verstoffwechselung negativ beeinflusst wie Epilepsie-Präparate, Blutdrucksenker, Kortison und sogar Krebsmedikamente. Wer diese einnimmt, sollte mehr Vitamin-D einnehmen und den Status regelmäßig kontrollieren. Bei vielen Kombinationen ist  ein gründlicher Medikationscheck bei uns zu empfehlen oder die verschreibende Praxis anzusprechen.