Zunehmende Essstörungen bei Jugendlichen
Essstörungen wie Bulimie, Binge-Eating und Magersucht betreffen vor allem junge Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren. Das statistische Bundesamt hat dazu neue Zahlen erhoben, demnach treten Essstörungen inzwischen doppelt so häufig auf wie noch zu Beginn unseres Jahrhunderts. Knapp 93% der diagnostizierten Fälle von Magersucht betreffen Mädchen und Frauen. Laut RKI sind allerdings auch Jungen von gestörtem Essverhalten betroffen, bislang allerdings nur halb so oft wie Mädchen. Die Angst zu dick zu sein kann jeden treffen. Ein überzogener Schlankheitswahn wird nach wie vor durch Social Media und zahlreichen Influencern gepusht.
Warnsignale beachten
Neben der Reduzierung des täglichen Essens gibt es noch weitere Auffälligkeiten, die die Eltern aufhorchen lassen sollten, wie ständige Gewichtskontrolle, hohes Sportpensum und wechselnde Ernährungsstrategien. Häufige Toilettengänge können auf Bulimie hinweisen, ebenso wie Haarausfall, Blässe, Schwindel und häufiges Frieren. Krankhafter Gewichtsverlust führt bei Mädchen oft auch zum Ausbleiben der Monatsblutungen. Auffällig können auch der Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit sowie abfallende Schulnoten sein.
Verschiedene Auslöser
Auslöser von Essstörungen sind bei Kids und Teens meist unterschiedliche Risikofaktoren. Neben dem Schlankheits- oder Fitnesswahn gehören hierzu auch Persönlichkeitsmerkmale, familiäre Belastungen und Konflikte sowie belastende Ereignisse. Auffällig sind meist Häufungen von Essstörungen innerhalb der Familie, wenn also bereits ein Elternteil oder Geschwisterkind dagegen kämpft. Je früher eine Therapie begonnen wird, desto effektiver sind die Heilungschancen.
Trend zum Picky Eating
Auch besonders wählerische Kinder, die plötzlich nur noch ganz bestimmte Lebensmittel essen und oftmals Gemüse und Obst ablehnen, können in eine Essstörung rutschen. Das häufig auftretende Picky Eating zählt für Kinderpsychologen/innen bereits zu den selektiven Essstörungen, die spätestens bei beginnenden gesundheitlichen Problemen und Wachstumsverzögerungen genauer untersucht werden sollen. Der ständig schwelende Streit ums Essen kann außerdem zu einer Totalverweigerung oder psychosozialen Störungen in und auch außerhalb der Familie führen.
Wenn Essen Ekel erregt
Bei einem völligen Desinteresse am Essen oder einem Ekel vor vielen Lebensmitteln kann es sich auch um die Essstörung Arfid handeln. Hierbei werden Geschmack, Geruch oder die Konsistenz bestimmter Lebensmittel abgelehnt und die Auswahl deshalb immer weiter eingeschränkt. Mitunter brauchen Arfid-Kinder Trinknahrung oder Sonderernährung um eine gefährliche Mangelernährung zu verhindern. Arfid entwickelt sich meist durch eine Kombination aus einer genetischen Veranlagung und ungünstigen Entwicklungsverläufen.
Konfliktherd Esstisch
Gerade wenn Kinder in einer Altersphase sind, in der sie um Autonomie kämpfen und die täglichen Dinge selbst entscheiden wollen, kommt es beim Essen häufig zu Konflikten. Die möglichen Ursachen und Verläufe sind aber so vielfältig, dass Eltern gerade hier genauer hinschauen sollten. Erste Anlaufstelle um passende Therapeuten für die Kinder oder auch Elterntrainings zu finden ist immer der/die Kinderarzt/ärztin. Wird das Essen komplett verweigert, ist es u. U. bereits ein Fall für den Notarzt und eine stationäre Behandlung.



