Revival der Barbi-Droge Melanotan
Sie ist nicht neu, war aber schon fast aus dem Sichtfeld verschwunden. Entwickelt wurde der Stoff in den 1980er Jahren als Nasenspray, um besonders lichtempfindliche Menschen vor UV-Strahlung zu schützen. Die Melaninproduktion wurde durch das Hormon Melanotan angeregt und der Körper durch die Produktion des Bräunungsstoffes besser vor Sonnenbrand geschützt. In den 2010er Jahren erlebte es unter dem Namen Barbie- oder Ken-Droge eine Neu-Entdeckung dank diverser Social-Media-Plattformen. Wie so oft bei Online-Hypes wird hier – damals wie heute, aber verschwiegen, dass es sich um ein Medikament handelt, das für kosmetische Zwecke nicht zugelassen ist.
Bräunung ohne UV-Strahlen
Außer der Wirkung auf die Melanin-Produktion und der damit verbundenen sonnenlosen Bräunung, drosselt das synthetische Peptidhormon nebenbei den Appetit, erleichtert also eine Gewichtsreduzierung. Besonders dieser zusätzliche Effekt wird auf TikTok, Instagram & Co. angepriesen. In der Fitness- und Bodybuilder-Szene kursiert es deshalb auch als Ken-Droge. Nachdem auf Social-Media der Hype um gebräunte dünne Körper – wie Barbie und Ken, wieder ausbrach, erlebt nun auch Melanotan ein Revival. Im Internet werden Melanotan I und II meist als Forschungschemikalien für wissenschaftliche Zwecke angeboten, um so eine notwendige Arzneimittelgesetzgebung zu umgehen. Aktuell ist Melanotan I nur zur Behandlung einer seltenen genetischen Erkrankung zugelassen.
Illegales Hormonpräparat mit Nebenwirkungen
Forschende warnen aufgrund diverser Nebenwirkungen vor der Einnahme – ob als Nasenspray, Pulver, Implantat oder Injektionslösung. Wer es über den grauen Online-Markt erwirbt, bekommt ein ungeprüftes illegales Hormonpräparat, das Verunreinigungen und weitere toxische Stoffe enthalten kann. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Herzkreislaufprobleme in Form von Blutdruckanstieg, Herzrasen und Schwindel bis zu gefährlichem Nierenversagen.
Kein UV-Schutz gegen Hautkrebs
Die Bräunung ohne Sonne kann bei heller Haut außerdem vorhandene Muttermale verstärken oder auch neue verursachen. Und nebenbei suggeriert es, dass man gegen UV-Strahlung und somit vor Sonnenbrand und Hautkrebs geschützt sei, was nicht der Fall ist. Einzelne Nutzer/innen landen auch mit Vergiftungserscheinungen und Muskelschäden in den Notaufnahmen. Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittelforschung) rät schon seit einigen Jahren dringend davon ab, Melanotan I oder II aus dem Internet zu beziehen und anzuwenden oder einzunehmen.



