Was die Hitze mit unserer Psyche macht

Nur wenige kommen mit der wiederkehrenden Hitze gut zurecht. Ob bei der Arbeit oder Zuhause, ob bei den täglichen Erledigungen oder während der Hobbies: extreme Temperaturen von über 30 Grad bremsen jeden aus, erschweren den Alltag und machen eine ruhige entspannte Nacht unmöglich. Schon ab 25 Grad sinkt das psychische Wohlbefinden, nicht nur bei Älteren oder Kranken. Hält die Hitze über mehrere Tage an, können sich die Stresshormone kaum noch abbauen und der Körper bekommt immer mehr Anpassungs-Probleme. Neben den spürbaren physischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpfung, Muskelkrämpfe und Kreislauf-Attacken leidet auch die Psyche.

Schlafmangel und Depressionen
Vor allem der schlechte Schlaf ist für viele Probleme während einer längeren Hitzeperiode verantwortlich. Neben Abgeschlagenheit und verminderter Leistungsfähigkeit werden so auch depressive Verstimmungen verstärkt. Dabei treten psychische Störungen in Hitzeperioden ebenso gehäuft auf wie eine Verstärkung vorhandener Psychosen. Reizbarkeit und Aggressivität nehmen zu und reduzieren die Impulskontrolle. Die Unfall- und Kriminalstatistiken belegen dies durch die Zunahme an Verkehrsunfällen sowie an Straftaten wie z.B. Körperverletzungen.

Kinder sollten mehr im Fokus stehen
Besonders belastend ist das Gefühl des Ausgeliefertseins während extremer Hitze, selbst kaum etwas dagegen tun zu können. Wer ohnehin von psychischen Belastungsstörungen betroffen ist, leidet verstärkt unter den zunehmenden Hitzewellen. Psychologen/innen fordern deshalb, die Risiken einer mentalen Belastung mehr im Auge zu haben. Die Klimaangst macht sich auch durch eine in Hitzeperioden ansteigende Suizidrate bemerkbar. Besondere Aufmerksamkeit brauchen Kinder und Jugendliche, deren Gehirn noch in der Entwicklung ist und mit der Anpassung an hohe Temperaturen Probleme hat. Ähnlich wie alte Menschen schwitzen Kinder außerdem weniger und haben ein geringeres Durstempfinden.

Verstärkung bei vorbelasteten Patienten
Neue Studien zeigen, dass der Hitzeschutz für verschiedene Bevölkerungsgruppen zunehmend wichtig wird. Psychisch vorbelastete Patienten/innen sollten vorbeugend vor Hitzewellen ihren Alltag sinnvoll strukturieren und regelmäßig soziale Kontakte einplanen. Sie sind wichtig um Angst und Depressionen in den Griff zu bekommen, auch dann, wenn die Hitze die Menschen zum Rückzug in die eigenen vier Wände zwingt. Der Zusammenhang zwischen Hitze und psychischen Symptomen ist zwar noch nicht ganz geklärt, Wissenschaftler/innen vermuten aber, dass der reduzierte Serotoninspiegel eine Rolle spielt.

Hitze bremst Serotoninproduktion
Bei Hitze stockt die Produktion der Glückshormone und auch einige Stoffwechselvorgänge werden blockiert. Gemeinsam mit Dopamin und Noradrenalin ist Serotonin für den Temperaturausgleich im Körper zuständig. Schwitzen ist dabei zur Abkühlung ein wichtiger Faktor, aber gerade manche Psychopharmaka und Antidepressiva bremsen dies. Somit wird die psychische und physische Regulierung im Laufe einer Hitzeperiode immer schwieriger.