Wie geht man mit der Abnehmpille um?

Selten hat ein neues verschreibungspflichtiges Medikament medial so hohe Wellen geschlagen wie die Abnehmpille. Dabei kam der enthaltene Wirkstoff Semaglutid schon 2018 auf den Markt und ist als Pen bzw. Spritze seit mehreren Jahren erhältlich. Er sorgt dafür, dass sich das bei Adipositas oft fehlende Sättigungsgefühl einstellt. Die Apotheken hatten sich ab dem Verkaufsstart am 1.9. auf eine große Nachfrage vorbereitet. Der dänische Hersteller hatte die Produktion entsprechend angepasst, so dass ausreichend Ware verfügbar war. Doch auch auf die Beratung zur Anwendung mussten sich die Apotheken vorbereiten. Dabei war bekannt, dass eine ärztliche Verschreibung zwingend notwendig ist, auch wenn das Medikament wie bei einem Privatrezept selbst bezahlt werden muss. Und nicht jeder bekommt dies, trotz diagnostizierter Adipositas, also krankhaftem Übergewicht mit einem BMI ab 30 sowie mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.

Dauerhafte Einnahme
Anders ist es bei Typ-2-Diabetes-Patienten, für die Semaglutid ursprünglich entwickelt wurde. Hier übernehmen die Krankenkassen i. d. R. die Kosten, die sich auf monatlich einige Hundert Euro belaufen. Ähnlich wie die Spritze muss auch die Abnehmpille dauerhaft verwendet werden. Studien haben gezeigt, dass eine zusätzliche Ess- und Bewegungstherapie unbedingt notwendig ist um das Gewicht langfristig kontrollieren zu können. Teilnehmer/innen der Studie berichten, dass Appetit und Heißhunger direkt nach Absetzen der Pille zurückkehren. Durchschnittlich verlieren die meisten nach der Einnahme langfristig 11 bis 17 Prozent an Gewicht.

Vorm Aufstehen einnehmen
Eine ausführliche Apotheken-Beratung betrifft vor allem die korrekte Einnahme, da es hier mehr zu beachten gibt als bei der Spritze. Die Tablette ist unbedingt nüchtern mit nur einem Schluck Wasser einzunehmen. Danach darf für 30 Minuten nichts gegessen und getrunken werden. Ein großer Unterschied liegt in der täglichen Einnahme gegenüber der wöchentlichen Spritze sowie in der Wirkstoffmenge. In Tablettenform ist dieser 70-mal höher als im Pen, da über die Aufnahme im Magen und Dünndarm einiges an Wirkstoff verloren geht. Häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung sowie Kopfschmerzen oder Müdigkeit sind bei beiden Darreichungsformen identisch. Eine aktuelle Studie zeigt allerdings mit Hilfe der KI weitere mögliche Nebenwirkungen, über die Nutzer sich in den Sozialen Netzwerken austauschen wie Schüttelfrost, Hitzewallungen und Menstruationsstörungen.

Nebenwirkungen reduzieren
Laut Hersteller können Beschwerden des Verdauungssystems durch langsameres Essen, eine fettarme Kost, viel Wasser ohne Kohlensäure und wenig Süßigkeiten oder scharfe Gewürze reduziert werden. Auch regelmäßige Bewegung an frischer Luft wirke sich auf die Eingewöhnung positiv aus. Identisch ist bei beiden Versionen das langsame Hochdosieren über mehrere Monate. Man geht davon aus, dass durch die Pille erheblich mehr Menschen als bisher mit Semaglutid behandelt werden. Die Hürde gegenüber der Spritze sei geringer.

Risiko Online-Handel
Allerdings fürchtet man auch einen noch größeren grauen Markt im Netz als bisher. Wer also versucht sich die Abnehmpille ohne Rezept online über dubiose ausländische Kanäle zu besorgen und nicht zur eigentlichen Zielgruppe gehört, weiß nicht was er bekommt und geht ein hohes gesundheitliches Risiko ein. Außerdem ist unbekannt, welche Probleme Semaglutid bei einem normalgewichtigen Menschen mittelfristig verursachen kann.