Protein-Wahn im Supermarkt?

Ob im Kühlregal, bei den Backwaren oder im Getränkemarkt – allerorts springt einem auf Produktdeckeln und -beschriftungen die Bezeichnung High-Protein ins Auge. Vom Popcorn, übers Wasser bis zum Joghurt oder Schokopudding findet man spezielle Protein-Produkte. Die Lebensmittelindustrie hat in den letzten Jahren offenbar eine vermeintliche Marktlücke entdeckt, die es unbedingt zu füllen gilt. Influencer werden flankierend nicht müde, diese entsprechend zu propagieren und als wichtige leistungssteigernde Nährstoffe für sportliche, fitte und gewichtsbewusste Menschen anzupreisen. War es früher eher das Frühstück mit Rührei und Speck oder der Protein-Shake nach dem Training, gehört heute …weiterlesen täglich die moderne Convenience-Variante auf den Teller von Männern und Frauen mit dem Wunsch nach mehr Muskelmasse oder weniger Kalorien.

Mehr Muskeln durch mehr Eiweiß?
Man könnte denken, es herrsche hierzulande akuter Eiweißmangel und dies nicht etwa nur bei Veganern. Selbst Milch- und Fleischprodukten, die natürlicherweise Eiweiße enthalten wird noch eine Extra-Portion Protein zugesetzt, damit die Muskeln durch High-Protein schneller wachsen. Und zwar am besten löffelweise ganz ohne Schweiß und Muskelkater. Wo mindestens 12 % aller Inhaltsstoffe auf Proteine entfallen, darf das Label „High-Protein“ drauf sein. Dabei belegen Studien, dass durch das zusätzliche Eiweiß kein gesundheitlicher Pluspunkt erreicht wird. Es wird einfach ausgeschieden, schadet also auch nicht – sofern man über gesunde Nieren verfügt, dabei mehr trinkt und der zusätzliche Harnstoff keine Probleme macht.

Risiken durch zu viele Protein
Dem durchschnittlichen Verbraucher genügt für die gesunde tägliche Portion Eiweiß einfach eine ausgewogene Ernährung. Spitzensportler vertragen dagegen gut etwas mehr, am besten in Form von Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, Milchprodukten sowie Eiern, Fleisch und Fisch. Damit verzichtet man auf all die industriell verarbeiteten Spezial-Produkte, mit meist mit künstlichen Inhaltsstoffen und zusätzlichem Zucker und Fetten ausgestattet sind. Altersforscher/innen weisen auch auf ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko durch eine extrem proteinreiche Ernährung hin, denn Eiweiße gehören zu den Grundbausteinen der Zelle, fördern deren Wachstum sowie die Zellteilung.

Im Alter oft zu wenig
Sicher ist dagegen, dass Proteinmangel der Gesundheit schadet, besonders im Alter, wenn Muskelmasse und Knochendichte ohnehin zurückgehen. Deshalb steigt ab 65 Jahren der Bedarf an tierischem Eiweiß, ebenso wie beim Profisportler. Alle anderen profitieren mehr von einer vielseitigen Ernährung, die vor allem auf Ballaststoffen und pflanzlichen Proteinen basiert. Denn auch für den aktuellen Protein-Hype gilt: die Mischung macht’s und jede Form des Übermaßes bringt die nötige ausgewogene Ernährung in eine Schieflage. Zu viele Proteine und zu wenig Ballaststoffe können beispielsweise zu Bauchschmerzen und Blähungen sowie zu einer Verringerung der Darmbakterien führen.