Die Wegwarte – himmelblauer Kaffeeersatz!

Sie darf in keiner Blumenuhr fehlen und war 2020 sogar Heilpflanze des Jahres. Die blauen, manchmal auch rosa oder weißen Blüten der Wegwarte öffnen sich bei Sonnenaufgang und schließen sich pünktlich zur Mittagszeit. Wenn man an den Wegesrändern, Böschungen oder Äckern nach ihr Ausschau hält, hat man es deshalb am Morgen sehr viel leichter. Sie ist in Mitteleuropa eine weitverbreitete und eher anspruchslose Nutz- und Heilpflanze. Ihre gezackten spitzen Blätter erinnern an den Löwenzahn. Im Frühjahr – vor der ersten Blüte im Juni, lassen sich diese am besten in würzigen Wildkräutersalaten verarbeiten. Später entwickeln sich immer mehr ihrer ausgeprägten Bitterstoffe. Sie sind es auch, die sie schon in der Antike zu einer bei Verdauungsbeschwerden viel genutzten Heilpflanze machten. Sie wirken positiv auf Galle, Leber und Milz, bei Appetitlosigkeit und als Kompressen auch bei Hautproblemen und Ekzemen sowie zur Wundheilung. Die Wegwarte – auch Zicchorie genannt, lässt sich komplett nutzen. Neben den Blättern kann man seine Stängel, einige Zeit gewässert, auch als Spinatersatz kochen.

Für den Ersatzkaffee benötigt man die Wurzeln, die zerkleinert zusammen mit Zucker in einer fettfreien Pfanne geröstet und anschließend abgekühlt gemahlen werden. Man kann ihn auch als gesunde Beigabe zum Bohnen- oder Milchkaffee nutzen. In der Nachkriegszeit nannte man den Zichorienkaffee abschätzig Muckefuck. Dabei übersah man seine ausleitende und anregende Wirkung auf Stoffwechsel und Verdauung, die sich gerade für eine entgiftende Frühjahrskur sehr gut eignet. Die stark inulinhaltigen Wurzeln machen die Wegwarte auch für Diabetiker zu einer wertvollen Heilpflanze. Mit ihren Bitterstoffen steht sie übrigens in enger Verwandtschaft zu den Bittergemüsesorten Chicoree, Radicchio sowie der Endivie. Daneben enthält sie wichtige Gerbstoffe, Flavonoide und Schleimstoffe wie die dem Heparin ähnlichen Pentosanen, die die Blutgerinnung hemmen. Wegwarten spielen auch in der Bachblüten-Therapie als achte Pflanze eine wichtige Rolle. Hier gilt sie auf der seelischen Ebene als Helferin gegen negative Stimmungen und Gefühle.

Sauerampfer – herzhafte Heilkraft im Salat!

Seit einigen Jahren findet der herbe Sauerampfer immer öfter Einzug in die gehobene Küche und er ist auch ein wichtiger Teil der bekannten Frankfurter grünen Soße. Man kann ihn ab dem Frühjahr auch zuhause in bunten Blattsalaten genießen. Mit seinem feinherben säuerlichen Geschmack passt er ideal zu jungem Spinat oder Rukola, aber auch zu anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Giersch. Von April bis Juli kann man ihn auf vielen Wiesen und in Gärten ernten. Seine roten Blütenrispen erreichen im Sommer eine Höhe bis zu einem Meter. Die Blätter ähneln in ihrer länglichen Form dem jungen Spinat. Sie sind je früher je schmackhafter, im Sommer werden sie zunehmend bitter. Man isst ihn am besten frisch, da er getrocknet sein Aroma verliert. Hat man zu viel gesammelt, kann man die gesäuberten Blätter auch einfrieren. Ähnlich wie Rhabarber enthält auch Ampfer viel Oxalsäure, was man bei manchen Sorten an den roten Adern der Blätter erkennt. Bei Nierenleiden und Rheuma sowie in der Schwangerschaft sollte man ihn deshalb nur in Maßen essen.

Wie die meisten herben Kräuter, die viele Bitterstoffe und Säuren enthalten, gilt auch der Ampfer als verdauungsanregend. Daneben findet man bei ihm reichlich Ballaststoffe, Eisen, Flavonoide sowie vor allem Vitamin C. Als Frühjahrskur für max. eine Woche eignet sich der Sauerampfertee besonders aufgrund seiner harntreibenden und blutreinigenden Wirkung. So vertreibt er garantiert die Frühjahrsmüdigkeit, verbessert die Darmtätigkeit und regt das Immunsystem an. Eine Tinktur aus Sauerampfer hilft bei Erkältungsbeschwerden, wirkt schleimlösend, antibakteriell, fiebersenkend und entzündungshemmend. Zerriebene Blätter können auch für eine Wundauflage und bei Insektenstichen genutzt werden. Geschmacklich passen sie aber auch gut in eine selbstgemachte Kräuterbutter oder einen veganen Brotaufstrich. Früher galt sein Pflanzensaft übrigens als Putzmittel um angelaufenes Silber wieder glänzen zu lassen. In der Antike hat man auf den Sauerampfer vor allem in kargen Zeiten bei Vitamin- und Mineralstoffmangel zurückgegriffen. Inzwischen kann man ihn während der Wachstumszeit auf Märkten und in manchen Bioläden sogar frisch kaufen.

Labkraut – Labsal für die Verdauung und zum Entwässern!

Die drei am häufigsten auftretenden Vertreter des Labkrautes sind das Wiesenlabkraut, das Klettenlabkraut und das Echte Labkraut, dem die stärkste Heilkraft nachgesagt wird. Auch der Waldmeister gehört zur selben Gattung. Das Echte Labkraut ist auch für seinen gelben Blüten-Farbstoff bekannt, mit dem noch heute der englische Chesterkäse seine typisch orange-gelbe Farbe bekommt. Auch in Schottland nutzt man seine Pflanzenfarbe als Färbemittel, neben den gelben Blüten auch den roten Farbstoff der Wurzeln. Das Klettenlabkraut findet als Ersatz für tierisches Lab zur Milchgerinnung ebenfalls in der Käseherstellung Verwendung. Die Heilkraft des Labkrauts nützt vor allem der Verdauung und bei Hautproblemen. In der Volksheilkunde wurde das Echte Labkraut besonders bei Blasen- und Nierenleiden eingesetzt. Wie auch das Klettenlabkraut ist es stark harntreibend, pilzhemmend und dabei noch cholesterinsenkend. Es hilft also bei vielen Beschwerden, bei denen man durch eine Ausleitung Besserung erwarten kann, wie bei der Blutreinigung und dem lymphatischen System. Schlecht heilende Ekzeme können so ebenfalls behandelt werden – üblicherweise durch Umschläge. Als Tinktur wurde es früher auch zur Stärkung des Immunsystems genutzt. Verschiedene Studien konnten die antioxidative und antibakterielle Wirkung des Klettenlabkrauts auch bei resistenten Bakterien nachweisen. Ihre heilende Wirkung liegt überwiegend in den Blättern, die besser frisch als getrocknet verwendet werden sollten.

Wie bei vielen Wildkräutern steckt die Heilkraft des Labkrauts besonders in den enthaltenen Saponinen, Flavonoiden und Gerbstoffen. Im Mittelalter wurde es u. A. als Gegengift bei Natternbissen, gegen Durchfälle und auch bei Ohrenschmerzen verwendet.  In der Küche kann man alle drei Labkräuter als Ergänzung von grünem Salat, Kräuterquark, Gemüsegerichten, Suppen und grünen Smoothies nutzen. Sie wachsen fast auf der ganzen Welt und gelten eher als Unkraut denn als Nutzpflanze. Die weißen oder gelben Blüten sind essbar und werden in der Küche gern zur Dekoration verwendet. Nach der Blütezeit begeistern die Kletten Jahr für Jahr Kinder mit ihrer Haftfähigkeit an der Kleidung und in den Haaren.

Das Pfennigkraut – Wohltuend als Tee und im Salat!

Im Mittelalter hatte es unter dem Namen Tausendkrankheitskraut seinen festen Platz imn vielen Bauerngärten. Dabei ist es trotz seiner gelben Blüten als Bodenkriecher auf feuchten Böden eher unscheinbar. Man kann es leicht mit Brunnenkresse verwechseln, was aber ungefährlich ist, da beide ungiftig sind. Da das Pfennigkraut feuchte Böden mag, findet man es vor allem an Ufern, Bächen und Wassergräben und das ganzjährig. Auch im Winter kann es als guter Nährstoff- und Vitaminlieferant dienen. Sein Aroma ist leicht bitter und säuerlich. Die Blüten werden zwischen Mai und Juli häufig als essbare Dekoration verwendet. Die kleinen pfenniggroßen Blätter machen sich geschmacklich gut in Wildsalaten, im Quark, in der Kräuterbutter oder als würzige Beigabe von Gemüsegerichten.

Heute spielt es außer in Osteuropa als Heilpflanze kaum noch eine Rolle. Dabei war es zu Zeiten Hildegard von Bingens bekannt für seine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm, vor allem bei Durchfall sowie als Mittel gegen Rheuma. Besonders die enthaltene Kieselsäure, die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und Schleimstoffe machen es zu einem echten Heilkraut. Die krampflösenden und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe linderten im Mittelalter auch Husten und Halsschmerzen. Äußerlich wurde es vor allem bei Geschwüren, Hautekzemen, zur Wundheilung und bei starker Narbenbildung eingesetzt. Kleingeschnittene Blätter können auch als Auflage bei der Behandlung von Rheuma helfen.

Ein Teeaufguss aus den Blüten und Blättern des Pfennigkrauts ist sehr schmackhaft und vielseitig verwendbar. Er hilft dem Magen und der Verdauung ebenso wie bei Halsschmerzen und Harnwegsinfekten. Als Mundspülung wirkt er gegen Mundgeruch und Zahnfleischprobleme. In Tee getränkte Kompressen helfen auch antiseptisch bei Augenentzündungen. Das Pfennigkraut hätte es durchaus verdient wieder mehr Beachtung zu finden – nicht nur als Bodendecker an Gartenteichen oder in Kaltwasseraquarien.

Das Wermutkraut hilft nicht nur der Verdauung!

Seit dem Mittelalter ist das sehr aromatische Wermutkraut als Grundlage der sogenannten „Grünen Fee“, dem Absinth, bekannt. Lange Zeit war dieses Kultgetränk in Europa verboten, da vor allem Künstler Ende des 19. Jahrhunderts den Absinth aufgrund seiner rauschhaften Wirkung tranken und teilweise süchtig wurden. Van Gogh hat sich angeblich im Absinthrausch das Ohr abgeschnitten. Ursache ist die hohe Konzentration des Nervengifts Thujon, das vor allem im ätherischen Öl des Wermuts enthalten ist. Seit 1998 ist Absinth mit einem begrenzten Thujongehalt wieder zugelassen. Die eigentliche, eher bekannte Wirkung des Wermuts, bezieht sich aber auf seine verdauungsfördernden Bitterstoffe. Neben dem Enzian gilt Wermut als eines der bittersten Kräuter. Für einen Heiltee genügt schon eine kleine Menge getrockneter oder frischer Blätter. Kombiniert mit Minze bekommt er einen frischeren Geschmack. Wermut wird auch im bekannten Schwedenbitter und anderen verdauungsfördernden hochprozentigen Kräuterbittern verwendet. Seine typische Bitternote prägt auch den sprichwörtlichen „Wermutstropfen“, wenn also eine Sache einen bitteren Beigeschmack hat.

Man findet den silbrig-grauen Strauch mit den pelzig fedrigen Blättern vor allem in Mittel- und Südeuropa. Er wächst gern dort, wo mitunter eher wenig gedeiht, wie auf Ödland, steinigen sonnigen Böschungen oder auch an Autobahnen. In der Blütezeit bis September entwickelt er kleine gelbe Blüten. Für Tee und Tinkturen werden sowohl getrocknete als auch die oberen frischen Blätter verwendet. Als Verdauungshilfe kannte man ihn schon im alten Ägypten und auch im Mittelalter. Hildegard von Bingen nannte ihn einen „Meister gegen alle Erschöpfungen“, was darauf hindeutet, dass er auch zur Rekonvaleszenz und Stärkung des Immunsystems eingesetzt wurde. Pfarrer Kneipp empfahl ihn als Waffe gegen Viren und Bakterien. Das ätherische Öl wird äußerlich gegen Pilzbefall und in Wasser zum Gurgeln bei Racheninfekten eingesetzt.

Täglich 2 bis 3 Tassen Wermuttee wirken appetitanregend, verdauungsfördernd und entkrampfend auf Magen und Darm. Er regt den Gallensaft an, stärkt die Leber, verbessert die Fett- und Eiweißverdauung und wirkt so gegen Völlegefühl und Blähungen. Vor dem Essen getrunken aktiviert er die Magenschleimhaut und als Digestif nach dem Essen die Gallen- und Leberfunktion. Zur Förderung der Verdauung kann man das Kraut sparsam dosiert auch direkt ins Essen geben, z. B. bei deftigen Gerichten wie Eisbein, Gans und Kaninchen sowie herzhaften Eintöpfen. Als klassisches Würzkraut kann man ihn aufgrund seiner herben Aromen, die auch beim Kochen nicht verloren gehen, aber nicht bezeichnen.

Bei aller Vielseitigkeit sind seine Inhaltsstoffe für manchen aber mit Vorsicht zu behandeln, vor allem Schwangere, Stillende und Kinder sollten ihn meiden. In der frühen Volksheilkunde verwendete man Wermut auch zur Geburtseinleitung. Sein ätherisches Öl kann beim Verzehr und Überdosierung zu Vergiftungserscheinungen wie Benommenheit und Kopfschmerzen führen. Länger als 2 bis drei Wochen sollte man ihn auch als Heiltee nicht trinken, denn langfristig beeinflusst Wermut das Zentralnervensystem. Bei Gallensteinen oder Magengeschwür besser vorher den Arzt oder die Ärztin fragen.

Der Gundermann lindert Entzündungen und Krämpfe!

Nomen est omen und so deutet der Name auch hier auf eine Eigenschaft hin, für die dies Kraut schon bei Hildegard von Bingen eingesetzt wurde. Gund stand im Mittelalter für Eiter, entsprechend wurde der Gundermann vor allem bei eitrigen schwer heilenden inneren und äußeren Wunden und Abzessen angewendet. Heute ist er nur noch wenigen bekannt und bei Hobbygärtnern eher gefürchtet, da er als wuchernder Bodendecker bzw. Unkraut bekannt ist. Er gilt zwar als Frühblüher, kann aber sogar im Winter noch gesammelt werden. Neben seiner Eigenschaft als wirksames Heilkraut, wurde er in der Küche auch viel als Würzmittel verwendet. Sein Geschmack ist würzig bis scharf und erinnert an Minze, Knoblauch und Petersilie, weshalb man ihn auch „Wilde Petersilie“ nennt. Er passt zu deftigen und süßen Speisen und überall da, wo man sonst Thymian oder Minze einsetzt. Da er ungiftig ist und auch keiner gefährlichen Pflanze ähnelt, kann man ihn guten Gewissens sammeln. Als Tee bekommt man ihn getrocknet im Spezialhandel.

Seine Heilwirkung kommt aus den ätherischen Ölen, Bitter- und Gerbstoffen, Flavonoiden, Kalium, Cholin und reichlich Vitamin C. Für Tees, Aufgüsse, Bäder und Auflagen kann man gleichermaßen die Blätter, Blüten und Triebe nutzen. Vor allem bei festsitzender Bronchitis, trockenem Husten, Rachen- und sogar Lungenentzündung hilft der Gundermann mit seiner auswurffördernden, krampf- und schleimlösenden sowie entzündungshemmenden Wirkung. Er war bekannt als Heilmittel bei langwierigen Krankheiten, die mit zähem Schleim oder eitrigen Wunden zu tun hatten. Daneben half er auch bei Blasen- und Nierenproblemen, war schmerzlindernd und regte Stoffwechsel und Appetit an. Er ist mit seinen Inhaltsstoffen eine gesunde Beigabe zu Salaten aus Wildkräutern, wird oft in der klassischen Gründonnerstagssuppe verwendet und bringt grünen Smoothies, Kräuterbutter und Quark die nötige Würze. Man findet ihn in fast ganz Europa, besonders auf nährstoffreichen eher schattigen und feuchten Böden, an Waldrändern, unter Hecken, in Wiesen und Laubwäldern.

Der stechende Mäusedorn – stärkt Gefäße und Durchblutung!

Der Mäusedorn oder Ruscus aculeatus wächst in Westeuropa und rund um das Mittelmeer. In der Antike galt er als Mittel gegen Mäuse und Nagetiere, weil mit seinen stechenden Zweigen Getreidelager und Vorräte geschützt wurden – daher stammt sein Name. Man findet ihn auf trockenen felsigen Böden und Hängen sowie an Waldrändern im Unterholz von Bäumen und Büschen. Seine auffälligen roten Beeren trägt er ab September über den ganzen Winter. Schon seit Jahrhunderten gilt er als klassisches Mittel gegen Venenleiden, Ödeme und Hämorrhoiden. Die Heilextrakte werden aus seiner knotigen Wurzel gewonnen, die man auch in vielen Medikamenten gegen Krampfadern und Beinschwellungen wiederfindet.

Das Ruscin in seiner Wurzel stärkt das Bindegewebe, erhöht die Gefäßspannung, regt die Lymphe an und fördert die Durchblutung vor allem in den Venen. Dadurch verhindert er gleichermaßen Thrombosen als auch Wasseransammlungen und Wadenkrämpfe. Daneben wirkt Mäusedorn aber auch entzündungshemmend und antibiotisch und wurde deshalb früher auch zur Wundbehandlung eingesetzt. Es gibt ihn als Präparat zur innerlichen und in Salbenform zur äußerlichen Anwendung. Ein Tee aus der getrockneten Wurzel hilft bei Stauungen in den Beinen, aber auch bei Nierenbeschwerden, Entzündungen der Harnwege und Blasenleiden. Ein starker Teeaufguss kann außerdem für Kompressen gegen Erfrierungen und bei Couperose verwendet werden. Wegen seiner harn- und schweißtreibenden Wirkung sollte man den Mäusedorn bei Bluthochdruck eher meiden. In der Küche kann man die jungen Triebe wie Spargel zubereiten und im Mittelalter wurde er auch als Gewürz verwendet. 2002 war er Arzneipflanze des Jahres.

Bibernelle – Pestmittel aus dem Mittelalter!

„Esst Bibernell, dann sterbt ihr nicht so schnell!“ – so lautete der häufige Rat als in Europa im späten Mittelalter die Pest grassierte. Diese Empfehlung mag darauf zurückgehen, dass die Wurzel der Bibernelle einen scharfen unangenehmen Geruch verströmt. Oder weil diese schon damals bei Lungenentzündungen und sogar Vergiftungen eingesetzt wurde. Seit dem 16. Jahrhundert wurde sie als Heilpflanze verwendet. Heute werden ihre getrockneten Wurzeln als Tee aufgekocht und bei festsitzendem Husten und bei Katarrhen der oberen Luftwege zum Gurgeln verwendet. Ihre ätherischen Öle wirken schleimlösend, reizlindernd und entzündungshemmend. Sie soll übrigens auch fester Bestandteil der Grundmischung der 13 Kräuter im Original Schweizer Kräuterzucker sein. Wegen des strengen Geruchs der Wurzel wird die Bibernelle auch Bockswurz genannt. Zur sicheren Identifizierung sagte man im Volksmund: „Woran erkennt man die Bibernelle? Daran, dass die Wurzel nach Geißbock riecht.“ Als Doldenblütler kann man sie äußerlich leicht mit Fenchel, Anis oder dem giftigen Schierling verwechseln.

Das heute eher unbekannte, aber vielseitige Wildkraut findet man auf nährstoffreichen Wiesen, an Ufern und sonnigen Hängen. Während die Wurzel für Tees und Aufgüsse eingesetzt wird, kann man die frischen Blätter der kleinen Bibernelle in der Küche für Salate und Dressings verwenden. Die essbaren weißen Blütendolden eignen sich als Dekoration auf Desserts oder Gebäck. Im Herbst kann man ihre Wurzeln ausgraben, trocknen und so haltbar machen. Als gemahlenes Gewürz lassen sich hiermit Kartoffel- und Gemüsegratins würzen. Das Wurzelpulver wurde in der Volksmedizin auch bei Magenbeschwerden eingenommen und zur Verdauungsförderung Kräuterschnäpsen zugesetzt. Generell verwendet man die Heilkräfte des oberen Pflanzenteils mehr bei Verdauungsbeschwerden sowie gegen Blähungen, Sodbrennen und um den Appetit anzuregen. Als äußerliches Hausmittel half es bei schlechter Wundheilung, Krampfadern und Ekzemen. Wie viele andere Heilkräuter, eignet sich auch die Bibernelle nicht für Schwangere und in der Stillzeit, da ihre Wirkung hier nicht geprüft ist. In der Homöopathie kennt man Pimpinella alba als Mittel gegen Nasenbluten, Kopfschmerzen, Bronchitis, Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Ohrengeräuschen (meist als D1 bis D6).

Beifuß – einst die Mutter aller Heilkräuter!

So unauffällig der Beifuß auch ist, seine Wirkung als Heilkraut, Küchenwürze und für Allergiker ist umso stärker. Neben der Ambrosia sind vor allem Beifußpollen für einen klassischen Spätsommer-Heuschnupfen verantwortlich, der sich bis zum ersten Frost hinziehen kann. Man kennt den Beifuß auch als typisches Würzkraut bei fettreichen Gerichten wie der Weihnachtsgans. Bei der Vielzahl seiner Inhaltsstoffe dominieren vor allem die verdauungsfördernden Bitterstoffe. Er ist bei uns insbesondere auf stickstoffreichen Böden heimisch, ist eher anspruchslos und auf Brachflächen, an Bahntrassen und sandigen Plätzen zu finden. Er wächst in Büschen und blüht bis in den September in graugrün, gelb oder rosa. Man kann seine Blütenrispen und Blätter in der Küche sowohl getrocknet als auch frisch verwenden. Seit der Antike war er als kraftvolle Heilpflanze bekannt, eingesetzt vor allem bei schwierigen Geburten sowie Menstruations- und Unterleibsproblemen, was sich das ganze Mittelalter hindurch bis zu Neuzeit so erhalten hat. Heute ist er aus der heimischen Kräuterheilkunde fast verschwunden.

In der Homöopathie wird er bei Verdauungsbeschwerden, zur Förderung von Magen- und Gallensaft, gegen Übelkeit, bei Wurmbefall und zur Linderung von Krämpfen eingesetzt. Auch in der Traditionellen chinesischen Medizin findet man ihn durch seinen starken Organbezug zu Magen, Milz, Leber, Galle und Nieren. Als Tee eingesetzt gilt er als wärmend, entspannend, krampflösend und appetitanregend. Er fördert die Durchblutung und macht müde Füße und Beine als Einreibung oder Fußbad wieder munter. Auch kalte Füße werden so nachhaltig erwärmt. Schamanen und Indianer verwendeten ihn zum Räuchern um böse Geister und negative Energie zu vertreiben. Der Rauch wirkt nebenbei auch konzentrationsfördernd und beruhigend. Ein Bündel frischen Beifuß über das Bett gehängt vertreibt angeblich Stechmücken.

Aufgrund seiner schwach giftigen Wirkung, sollte Beifußtee nicht öfter als dreimal täglich und nur für eine Woche getrunken werden – bei Verdauungsproblemen am besten zu den Mahlzeiten. Seine Bitter- und Gerbstoffe sowie die ätherischen Öle wirken außerdem antibakteriell und pilzhemmend. Aufgrund der wehenfördernden Wirkung ist er für Schwangere ungeeignet. In der Küche lässt sich Beifuß auch ideal mit mediterranen Gewürzen und Knoblauch kombinieren. Neben Ente und Gans eignet sich Beifuß auch zum Würzen von Fleisch- und Käsegerichten, im Salatdressing sowie für kräftige Gemüse- und Kartoffelsuppen.

Brennnesseln – viel besser als ihr Ruf!

Wohl kaum eine Pflanze genießt ein so negatives Image wie die in Mitteleuropa heimische Brennnessel. Dabei hat sicher jeder schon einmal mit ihren eindrucksvollen Abwehrmechanismen Bekanntschaft gemacht. Ein leichtes Streifen über die Kante ihrer Blätter genügt und ihre Brennhaare brechen und spritzen Histamine und Ameisensäure auf die Haut des Angreifers. Brennende Quaddeln sind die Folge und machen ihrem Namen alle Ehre. Dabei gilt sie als vielseitige Heilpflanze, mit 40 % Eiweiß auch als wertvolles Nahrungsmittel und ergiebige Proteinquelle und nicht zuletzt als eine wichtige Dünge- und Futterpflanze. Höchste Zeit also sich einmal näher mit ihr zu beschäftigen. Im Salat, als Pesto und im Kräutersüppchen findet sie auch den Weg in unsere heimischen Küchen und Rezepte.

Wichtige Inhaltsstoffe sind vor allem Flavonoide wie Rutin, ätherische Öle, die Vitamine B, K, reichlich Vitamin C sowie die Mineralien Kalium, Kalzium, Eisen und Kieselsäure. Die verschiedenen Pflanzenteile wie Blätter, Wurzeln und Samen werden für unterschiedliche Beschwerden eingesetzt. Die jungen Blätter wirken entgiftend, entzündungshemmend und harntreibend bei Gicht, Rheuma und Nesselsucht und lindern Blasen- und Harnwegsentzündungen. Bei einer eingeschränkten Herz- oder Nierenfunktion sollte man Brennnesseltee besser nicht anwenden. Allgemein wird er aus frischen oder getrockneten Blättern zur Blutreinigung, bei Verdauungsbeschwerden und Entschlackungskuren genutzt. Er wirkt außerdem immunstimulierend, schmerzlindernd und krampflösend. Der hohe Eiweißgehalt der Brennnesselsamen machen aus der Pflanze ein heimisches Superfood. Getrocknet kann man sie auf Smoothies, Joghurt oder Müsli geben. Ein Haarwasser aus Brennnesseln soll auch Haarausfall bekämpfen, indem es die Durchblutung der Kopfhaut anregt.

Wenn man Brennnesseln in der Küche verwenden will, sollte man sie abseits von Straßen sammeln und vor dem Verarbeiten mit einem Nudelholz oder in einem Gefrierbeutel platt walzen. Dann kann man die Blätter ungefährdet mit bloßen Händen weiterverarbeiten. Bekannt ist vor allem die Brennnesselsuppe, die zusammen mit Zwiebeln, Kartoffeln, Brühe, Créme Fraîche und Butter im Frühling gegen Frühjahrmüdigkeit hilft. Auch als Spinatersatz kann er schmackhaft eingesetzt werden, ebenso wie im Pesto zusammen mit Wallnüssen, Öl, Salz und Zitrone und als würziger Vitaminkick ergänzen Brennnesselblätter grüne Smoothies. Egal ob gekocht, gedünstet oder püriert, die Brennhaare werden durch das Verarbeiten garantiert unschädlich gemacht.