Schwarzer Holunder – eine Vitamin-C-Bombe!

In der Antike galt der Holunderstrauch als heilig, im Mittelalter als Lebensbaum, der Haus und Hof beschützte – weshalb er weder gefällt noch verbrannt werden durfte und in der Volksmedizin wurde er als „lebendige Hausapotheke“ bezeichnet. Die duftenden Blüten im Frühjahr, die schwarzen Beeren im Herbst, sowie die Blätter und auch die Rinde – für alles fand man heilkundlich Verwendung. Die einzelnen Pflanzenteile wurden bei Fieber, Infekten und Entzündungen genauso eingesetzt wie äußerlich bei Verbrennungen und zur Wundheilung. Der Holundersaft stärkt mit seinem hohen Gehalt an Vitamin C die Abwehrkräfte und schützt vor Erkältungskrankheiten und Grippe. Daneben sind die reifen Holunderbeeren reich an Kalium, Vitamin B und A sowie Flavonoiden, vor allem dem farbegebenden Anthocyan, einem starken Radikalfänger und Antioxidanz. Erst nach dem Erhitzen auf min. 80 Grad sind sie essbar und können zu Saft, Gelee oder Fruchtmus weiterverarbeitet werden. Die unreifen schwarzen Holunderbeeren sind gering giftig und sollten nicht roh gegessen werden. Gleiches gilt für seine Blätter und Stiele.

Studien konnten belegen, dass die enthaltenen Wirkstoffe eine Erkältung und auch Grippe um einige Tage verkürzen können. Seine sekundären Pflanzenstoffe helfen aber auch gegen Entzündungen sowie alterungsbedingte Zellschäden. Außerdem hat der Schwarze Hollunder eine leicht harntreibende Wirkung, so dass auch leichte Blasen- und Nierenbeschwerden damit behandelt werden können. Im Winter ist heißer Holundersaft auch als alkoholfreier Glühweinersatz sehr beliebt oder kombiniert mit Apfelsaft ein leckerer Punsch. Die Wirkung eines Holundertees ist abhängig von den verwendeten Pflanzenteilen: getrocknete Blüten sind für ihre schweißtreibende Eigenschaft bei ersten Anzeichen einer Erkältung bekannt, die Blätter nimmt man, um die Nieren und die Ausleitung anzuregen und getrocknete Beeren unterstützen bei viralen Infekten, lindern Nervenschmerzen und unterstützen den Darm. Es lohnt sich also einen Holunderstrauch selbst anzupflanzen oder im Herbst die reifen Beeren zu sammeln. Man findet ihn meist an Wiesen- und Waldrändern.

Engelwurz – nicht nur hochprozentig verdauungsfördend!

Die Engel- oder auch Angelikawurz genannt, galt schon im Mittelalter zu Zeiten der Pest als hochwirksame Heilpflanze und war als solche geschätzt. Daher stammt auch ihr überirdischer Name. Die imposante Pflanze wird bis zu 2 Meter groß und bevorzugt feuchte Böden an Ufern und auf Wiesen. Sie stammt aus dem kalten Norden und war vor allem in Skandinavien beheimatet. Inzwischen wächst sie auch in Mitteleuropa und hier insbesondere in den Alpen, wo man sie aufgrund ihrer verdauungsfördernden Wirkung für bekannte Kräuterbitter und -liköre verwendet. Ihr stark aromatischer Geschmack und Geruch kommt im Alkohol besonders zur Geltung. Er geht zurück auf die rund 60 Inhaltsstoffe wie Bitter- und Gerbstoffe, Cumarine, ätherische Öle und Fumarsäuren. Medizingeschichtlich gilt sie nicht nur als Mittel der Volksheilkunde, sondern auch als kultivierte Medizinpflanze. Hier zählt vor allem ihre antivirale und antientzündliche Wirkung beim Einsatz gegen Viren und Infektionen.

Als Hausmittel zum Selbstpflücken bzw. Sammeln sollte man bedenken, dass sie zwar essbar aber leicht giftig ist. Außerdem ähnelt sie dem giftigen Riesenbärenklau sowie dem gefährlichen Schierling. Aufgrund der Stängel- und Blätterfarbe, der kugelförmigen Dolden und nicht zuletzt am stark aromatischen Geruch kann man sie von den zwei anderen Doldenpflanzen unterscheiden. Im Zweifelsfall sollte man auf die in der Apotheke verfügbaren getrockneten Wurzeln zurückgreifen. Grundsätzlich ist die komplette Pflanze essbar. In Bayern und Österreich gilt der kandierte aromatische Stängel der Engelwurz als besondere Delikatesse und wird auch für Backwaren verwendet. Er ähnelt geschmacklich dem Sellerie und der Möhre. Ihre fingerartigen dicken Wurzeln sollte man vom Herbst bis zum Frühjahr ernten und verarbeiten. Die ab September reifen Samen eignen sich für Tees oder als Gewürz.

Die Wurzeln werden zur Verwendung als Heilmittel aufgeschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Getrocknet und zerkleinert kann man sie zur Förderung der Verdauung als Tee aufgegossen vor dem Essen trinken. Fünf Gramm pro Tag sollte man aber nicht überschreiten. Eine Tinktur aus der Engelwurz hilft gegen Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkrämpfe, Völlegefühl sowie Blähungen. Mitunter wird sie auch gegen das Reizdarmsyndrom empfohlen. Vorsicht ist bei Gallensteinen sowie Magen- und Darmgeschwüren geboten. Außerdem beeinflussen ihre stark ätherischen Öle, ähnlich wie der Saft des Riesenbärenklaus, die Photosynthese in der Haut, d.h. diese wird lichtempfindlicher und reagiert schneller auf UV-Strahlung. Um keine Kontaktallergie zu riskieren, ist das Sammeln mit Handschuhen sinnvoll. Lassen Sie sich zur Anwendung und Dosierung gern von uns oder auch ihrem Hausarzt beraten.

Sanddorn – Multitalent und Kraftpaket!

Wer gerade an der Nord- oder Ostsee war, hat ihn bestimmt bewundert oder seine spitzen Dornen in den Dünen zu spüren bekommen. Genaugenommen handelt es sich beim Sanddorn nicht um ein Kraut, sondern um eine der seltenen Pflanzen, die im Sand wachsen. Der wilde Sanddorn steht mit seinen vielen Früchten sogar unter Artenschutz. Obwohl der Strauch mit extrem wenig Wasser auskommt und auch sonst sehr anspruchslos ist, trägt er im Frühherbst reichlich der kleinen orangen Beeren, die wahre Vitamin-Bomben sind. Beim Ernten im heimischen Garten besser auf die spitzen Dornen achten. Roh sind sie auf Grund des hohen Vitamin-C-Gehaltes – sie enthalten dreimal so viel wie Zitrusfrüchte, sehr sauer. Ihre kräftige Farbe zeigt aber auch den Anteil an Beta-Carotin an, der sogar Karotten übersteigt. Zwölf Beeren täglich können bereits den Bedarf an Vitamin C decken. Außerdem enthalten sie alle B-Vitamine sowie viele Spurenelemente, Flavonoide und Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Kalzium, Kobold, Kupfer, Magnesium und Zink. Sanddorn ist damit ein echtes heimisches Powerfood, das den Organismus bei vielen Krankheiten unterstützt und die tägliche Ernährung sinnvoll ergänzt.

Neben dem Immunsystem hilft Sanddorn auch der Verdauung, regt den Stoffwechsel an, unterstützt die Rekonvaleszenz und wirkt positiv auf Hautverletzung, -entzündungen und Geschwüre. Vor allem im Winter unterstützt er die Abwehrkräfte und Schleimhäute und schützt so vor Erkältungen. Die säuerlichen Beeren lassen sich im Smoothie ebenso verwenden wie in einer Karottensuppe, im Müsli, aber auch in Süßspeisen oder Fruchtaufstrichen. Die getrockneten Beeren lassen sich auch für einen Tee aufbrühen und wirken beruhigend bei Magenbeschwerden und Erkältung, helfen bei Kreislaufstörungen und Frühjahrsmüdigkeit. Auch als Saft und als Öl lässt er sich in der Küche und der Hautpflege nutzen. Ein paar Tropfen Sanddornöl in der Creme oder Lotion hilft bei Sonnenbrand, Neurodermitis, Schuppenflechte und der Wundheilung. Die frischen Früchte lassen sich gut einfrieren oder trocknen und stehen so das ganze Jahr zur Verfügung.

Goldrute – wertvoll aber nicht teuer!

Im Hochsommer sieht man sie noch bis September auf den Wiesen und an den Wegen schon von Weitem gelb leuchten. Die bis zu einem Meter hoch wachsende Goldrute findet man in ganz Europa und sie ziert auch manchen Garten. Sie sieht aber nicht nur blühend hübsch aus, sondern ist schon seit der Antike als Heilpflanze bekannt. Wurde sie zu der Zeit vor allem zur schnelleren Wundheilung verwendet, ist sie heute hauptsächlich bei Nieren- und Harnwegsbeschwerden im Einsatz. Wer die Blüten und oberen Pflanzenteile für einen Tee sammeln und trocknen will, sollte damit nicht lange warten und die frischen noch kleinen Triebe in Form der Blütenköpfe und Blätter ernten. Zum Trocknen die Sträuße Kopf über im Schatten aufhängen.

Obwohl die Goldrute essbar ist, wird sie eher selten in der Küche eingesetzt. Grundsätzlich kann man sie aber gut in Wildkräutersalaten oder für Kräutersalze, -quark und Gemüsesuppen nutzen. In der Medizin hat sie gleichermaßen bei Schulmedizinern, Naturheilkundlern und Homöopathen einen guten Ruf. Ihre stärkende und harntreibene Wirkung kommt von den enthaltenen Flavonoiden, Saponinen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen. Hierdurch gilt sie als entzündungshemmend, krampflösend, antibakteriell und antifungizid, schmerzlindernd, ausschwemmend und dadurch auch ödemhemmend. Durch diese breite Wirkweise wird die Goldrute bei Nieren- und Blasenbeschwerden sowie kleineren Nierensteinen und Wassersucht eingesetzt. Auch Rheuma und Gicht kann durch ihren stark ausleitenden und harntreibenden Effekt behandelt werden. Die Wirksamkeit der Flavonoide bei Nieren- und Harnwegsbeschwerden ist gut untersucht und belegt. Neben dem Teeaufguss aus getrockneten Pflanzenteilen kann man die Goldrute auch in Form von fertigen Arzneipräparaten einnehmen. Durch ihren stark leistungssteigernden Effekt auf die Nieren sollte man täglich max. 4 g des Trockenkrautes verteilt auf 2 bis 3 Tassen Tee trinken. Dabei auf eine ausreichende zusätzliche Flüssigkeitszufuhr achten und vor einer Eigentherapie besser den Hausarzt oder die Hausärztin befragen. Getrocknetes Goldrutenkraut für einen Teeaufguss sollte nicht älter als ein Jahr sein, damit es noch seine volle Wirkung entfalten kann.

Taubnessel – heilsam und schmackhaft!

Man findet sie in vielen Gärten und Parks aber auch wild auf Wiesen oder an Waldrändern und hier meist mit weißen, gelben oder lila Blüten. So mancher hält sie für unnützes Unkraut. Dabei ist sie weder mit der Brennnessel verwandt, noch sollte man sie einfach auf den Kompost werfen. Fast alles an ihr ist essbar, ihre Blüten gelten sogar als besonders süß und schmackhaft. Vor allem die weißen und purpurroten Sorten zählen zu den Alleskönnern in der Küche und unter den Heilkräutern. Aus Blättern und Blüten der jungen Triebe lässt sich frisch oder getrocknet ein Tee herstellen. Wie bei allen Kräutern, die ätherische Öle enthalten, darf man Blätter und Blüten nur mit heißem aber nicht kochendem Wasser übergießen. Man kann sie frisch gepflückt auch für Salate, Smoothies oder blanchiert als Spinatersatz verwenden. Die Blüten werden wegen ihrer Süße gern als essbare Dekoration für Torten und Desserts verwendet. Die Blätter haben einen nussig-milden Geschmack.

Als Heilpflanzen finden alle drei Verwendung. Schon seit dem Mittelalter wurden sie aufgrund ihrer krampflösenden und blutreinigenden Wirkung als Frauenheilmittel eingesetzt. Daneben gelten sie als harntreibend, entzündungshemmend, antiseptisch und antibakteriell. Ein Taubnesseltee hilft bei Menstruationsproblemen ebenso wie bei Magen- und Darmbeschwerden, Harnwegsinfekten, wiederkehrenden Blasenentzündungen sowie bei Entzündungen des Hals- und Rachenraums. Als Umschlag wirkt ihre Heilkraft auch bei Schwellungen, Krampfadern und Gichtknoten, aber auch bei Insektenstichen und kleineren äußerlichen Entzündungen. Taubnesseln blühen bis in den Oktober hinein und lassen sich gut für die heimische Hausapotheke sammeln und trocknen oder zu Sirup verarbeiten. Ihre Heilwirkung stammt von ihren vielen Mikronährstoffen wie Vitamin C, B-Vitaminen, Zink, Kalium, Flavonoiden sowie Gerb- und Schleimstoffen. Besonders im Frühjahr eignet sich die Taubnessel für eine Entgiftungskur zusammen mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Vogelmiere und kombiniert mit Rucola, Mangold oder jungem Spinat.

Myrrhe – Arzneipflanze 2021!

Eigentlich werden hier vor allem Kräuter vorgestellt, die im heimischen Garten oder in unseren Wiesen und Wäldern wachsen. Einen Myrrhenbaum wird man hierzulande allerdings vergeblich suchen. Da die Myrrhe aber gerade zur Arzneipflanze des Jahres gewählt wurde, kann es nicht schaden über deren Wirkweise etwas mehr zu erfahren. Die meisten werden sie wohl aus der Weihnachtsgeschichte und als Gabe der Heiligen drei Könige kennen. Schon damals war der Harz der Myrrhe als eines der ältesten Arzneimittel vor allem gegen Husten und zur Wundbehandlung bekannt und verbreitet. Hildegard von  Bingen nennt sie in ihren mittelalterlichen Schriften wirksam bei Gelbsucht, Verdauungsproblemen sowie Fieber. Heute nutzt man Myrrhentinktur gegen Beschwerden im Mund- und Rachenraum sowie bei Zahnfleischentzündungen. Auch Schürfwunden oder Entzündungen der Haut lassen sich mit der Tinktur behandeln. Die ätherischen Öle und die Bitterstoffe ihres Harzes wirken antibakteriell und entzündungshemmend.

Der Myrrhenbaum ist als Vertreter der Balsamgewächse in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel beheimatet. Schon im alten Ägypten, im antiken Griechenland und bei den Römern wusste man Bescheid über die heilende Kraft seines rot bis gelbbraunen Harzes. Der knorrige kleine Baum mit den spitzen Dornen gibt nach Ritzen der Rinde Milchsaft frei. Allerdings sagt man seiner Heilkraft mehr Wirkung nach, wenn dieser von selbst fließt. Der flüssige Harz trocknet ein, wenn er aus der Rinde austritt und bildet kleine Klumpen an der Oberfläche. Pro Baum können so bis zu 4 kg entstehen. In neueren Studien konnte belegt werden, dass das Harz der Myrrhe schmerzstillende und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt und außerdem den Cholesterinspiegel senkt. Innerlich wird zur Behandlung von Magen- und Darmbeschwerden oder zur Mund- und Rachenspülung eine verdünnte Tinktur eingesetzt. Als Salbe nutzt man ihn äußerlich bei kleineren Wunden oder Entzündungen. In Kombination mit Kamille und Kaffeekohle wird es derzeit auch zur Behandlung bei Colitis ulcerosa empfohlen.

Die Wegwarte – himmelblauer Kaffeeersatz!

Sie darf in keiner Blumenuhr fehlen und war 2020 sogar Heilpflanze des Jahres. Die blauen, manchmal auch rosa oder weißen Blüten der Wegwarte öffnen sich bei Sonnenaufgang und schließen sich pünktlich zur Mittagszeit. Wenn man an den Wegesrändern, Böschungen oder Äckern nach ihr Ausschau hält, hat man es deshalb am Morgen sehr viel leichter. Sie ist in Mitteleuropa eine weitverbreitete und eher anspruchslose Nutz- und Heilpflanze. Ihre gezackten spitzen Blätter erinnern an den Löwenzahn. Im Frühjahr – vor der ersten Blüte im Juni, lassen sich diese am besten in würzigen Wildkräutersalaten verarbeiten. Später entwickeln sich immer mehr ihrer ausgeprägten Bitterstoffe. Sie sind es auch, die sie schon in der Antike zu einer bei Verdauungsbeschwerden viel genutzten Heilpflanze machten. Sie wirken positiv auf Galle, Leber und Milz, bei Appetitlosigkeit und als Kompressen auch bei Hautproblemen und Ekzemen sowie zur Wundheilung. Die Wegwarte – auch Zicchorie genannt, lässt sich komplett nutzen. Neben den Blättern kann man seine Stängel, einige Zeit gewässert, auch als Spinatersatz kochen.

Für den Ersatzkaffee benötigt man die Wurzeln, die zerkleinert zusammen mit Zucker in einer fettfreien Pfanne geröstet und anschließend abgekühlt gemahlen werden. Man kann ihn auch als gesunde Beigabe zum Bohnen- oder Milchkaffee nutzen. In der Nachkriegszeit nannte man den Zichorienkaffee abschätzig Muckefuck. Dabei übersah man seine ausleitende und anregende Wirkung auf Stoffwechsel und Verdauung, die sich gerade für eine entgiftende Frühjahrskur sehr gut eignet. Die stark inulinhaltigen Wurzeln machen die Wegwarte auch für Diabetiker zu einer wertvollen Heilpflanze. Mit ihren Bitterstoffen steht sie übrigens in enger Verwandtschaft zu den Bittergemüsesorten Chicoree, Radicchio sowie der Endivie. Daneben enthält sie wichtige Gerbstoffe, Flavonoide und Schleimstoffe wie die dem Heparin ähnlichen Pentosanen, die die Blutgerinnung hemmen. Wegwarten spielen auch in der Bachblüten-Therapie als achte Pflanze eine wichtige Rolle. Hier gilt sie auf der seelischen Ebene als Helferin gegen negative Stimmungen und Gefühle.

Sauerampfer – herzhafte Heilkraft im Salat!

Seit einigen Jahren findet der herbe Sauerampfer immer öfter Einzug in die gehobene Küche und er ist auch ein wichtiger Teil der bekannten Frankfurter grünen Soße. Man kann ihn ab dem Frühjahr auch zuhause in bunten Blattsalaten genießen. Mit seinem feinherben säuerlichen Geschmack passt er ideal zu jungem Spinat oder Rukola, aber auch zu anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Giersch. Von April bis Juli kann man ihn auf vielen Wiesen und in Gärten ernten. Seine roten Blütenrispen erreichen im Sommer eine Höhe bis zu einem Meter. Die Blätter ähneln in ihrer länglichen Form dem jungen Spinat. Sie sind je früher je schmackhafter, im Sommer werden sie zunehmend bitter. Man isst ihn am besten frisch, da er getrocknet sein Aroma verliert. Hat man zu viel gesammelt, kann man die gesäuberten Blätter auch einfrieren. Ähnlich wie Rhabarber enthält auch Ampfer viel Oxalsäure, was man bei manchen Sorten an den roten Adern der Blätter erkennt. Bei Nierenleiden und Rheuma sowie in der Schwangerschaft sollte man ihn deshalb nur in Maßen essen.

Wie die meisten herben Kräuter, die viele Bitterstoffe und Säuren enthalten, gilt auch der Ampfer als verdauungsanregend. Daneben findet man bei ihm reichlich Ballaststoffe, Eisen, Flavonoide sowie vor allem Vitamin C. Als Frühjahrskur für max. eine Woche eignet sich der Sauerampfertee besonders aufgrund seiner harntreibenden und blutreinigenden Wirkung. So vertreibt er garantiert die Frühjahrsmüdigkeit, verbessert die Darmtätigkeit und regt das Immunsystem an. Eine Tinktur aus Sauerampfer hilft bei Erkältungsbeschwerden, wirkt schleimlösend, antibakteriell, fiebersenkend und entzündungshemmend. Zerriebene Blätter können auch für eine Wundauflage und bei Insektenstichen genutzt werden. Geschmacklich passen sie aber auch gut in eine selbstgemachte Kräuterbutter oder einen veganen Brotaufstrich. Früher galt sein Pflanzensaft übrigens als Putzmittel um angelaufenes Silber wieder glänzen zu lassen. In der Antike hat man auf den Sauerampfer vor allem in kargen Zeiten bei Vitamin- und Mineralstoffmangel zurückgegriffen. Inzwischen kann man ihn während der Wachstumszeit auf Märkten und in manchen Bioläden sogar frisch kaufen.

Labkraut – Labsal für die Verdauung und zum Entwässern!

Die drei am häufigsten auftretenden Vertreter des Labkrautes sind das Wiesenlabkraut, das Klettenlabkraut und das Echte Labkraut, dem die stärkste Heilkraft nachgesagt wird. Auch der Waldmeister gehört zur selben Gattung. Das Echte Labkraut ist auch für seinen gelben Blüten-Farbstoff bekannt, mit dem noch heute der englische Chesterkäse seine typisch orange-gelbe Farbe bekommt. Auch in Schottland nutzt man seine Pflanzenfarbe als Färbemittel, neben den gelben Blüten auch den roten Farbstoff der Wurzeln. Das Klettenlabkraut findet als Ersatz für tierisches Lab zur Milchgerinnung ebenfalls in der Käseherstellung Verwendung. Die Heilkraft des Labkrauts nützt vor allem der Verdauung und bei Hautproblemen. In der Volksheilkunde wurde das Echte Labkraut besonders bei Blasen- und Nierenleiden eingesetzt. Wie auch das Klettenlabkraut ist es stark harntreibend, pilzhemmend und dabei noch cholesterinsenkend. Es hilft also bei vielen Beschwerden, bei denen man durch eine Ausleitung Besserung erwarten kann, wie bei der Blutreinigung und dem lymphatischen System. Schlecht heilende Ekzeme können so ebenfalls behandelt werden – üblicherweise durch Umschläge. Als Tinktur wurde es früher auch zur Stärkung des Immunsystems genutzt. Verschiedene Studien konnten die antioxidative und antibakterielle Wirkung des Klettenlabkrauts auch bei resistenten Bakterien nachweisen. Ihre heilende Wirkung liegt überwiegend in den Blättern, die besser frisch als getrocknet verwendet werden sollten.

Wie bei vielen Wildkräutern steckt die Heilkraft des Labkrauts besonders in den enthaltenen Saponinen, Flavonoiden und Gerbstoffen. Im Mittelalter wurde es u. A. als Gegengift bei Natternbissen, gegen Durchfälle und auch bei Ohrenschmerzen verwendet.  In der Küche kann man alle drei Labkräuter als Ergänzung von grünem Salat, Kräuterquark, Gemüsegerichten, Suppen und grünen Smoothies nutzen. Sie wachsen fast auf der ganzen Welt und gelten eher als Unkraut denn als Nutzpflanze. Die weißen oder gelben Blüten sind essbar und werden in der Küche gern zur Dekoration verwendet. Nach der Blütezeit begeistern die Kletten Jahr für Jahr Kinder mit ihrer Haftfähigkeit an der Kleidung und in den Haaren.

Das Pfennigkraut – Wohltuend als Tee und im Salat!

Im Mittelalter hatte es unter dem Namen Tausendkrankheitskraut seinen festen Platz imn vielen Bauerngärten. Dabei ist es trotz seiner gelben Blüten als Bodenkriecher auf feuchten Böden eher unscheinbar. Man kann es leicht mit Brunnenkresse verwechseln, was aber ungefährlich ist, da beide ungiftig sind. Da das Pfennigkraut feuchte Böden mag, findet man es vor allem an Ufern, Bächen und Wassergräben und das ganzjährig. Auch im Winter kann es als guter Nährstoff- und Vitaminlieferant dienen. Sein Aroma ist leicht bitter und säuerlich. Die Blüten werden zwischen Mai und Juli häufig als essbare Dekoration verwendet. Die kleinen pfenniggroßen Blätter machen sich geschmacklich gut in Wildsalaten, im Quark, in der Kräuterbutter oder als würzige Beigabe von Gemüsegerichten.

Heute spielt es außer in Osteuropa als Heilpflanze kaum noch eine Rolle. Dabei war es zu Zeiten Hildegard von Bingens bekannt für seine beruhigende Wirkung auf Magen und Darm, vor allem bei Durchfall sowie als Mittel gegen Rheuma. Besonders die enthaltene Kieselsäure, die Gerbstoffe, Flavonoide, Saponine und Schleimstoffe machen es zu einem echten Heilkraut. Die krampflösenden und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe linderten im Mittelalter auch Husten und Halsschmerzen. Äußerlich wurde es vor allem bei Geschwüren, Hautekzemen, zur Wundheilung und bei starker Narbenbildung eingesetzt. Kleingeschnittene Blätter können auch als Auflage bei der Behandlung von Rheuma helfen.

Ein Teeaufguss aus den Blüten und Blättern des Pfennigkrauts ist sehr schmackhaft und vielseitig verwendbar. Er hilft dem Magen und der Verdauung ebenso wie bei Halsschmerzen und Harnwegsinfekten. Als Mundspülung wirkt er gegen Mundgeruch und Zahnfleischprobleme. In Tee getränkte Kompressen helfen auch antiseptisch bei Augenentzündungen. Das Pfennigkraut hätte es durchaus verdient wieder mehr Beachtung zu finden – nicht nur als Bodendecker an Gartenteichen oder in Kaltwasseraquarien.