Soziale Kontakte auf Rezept?

Schon lange weiß man, wie wichtig tägliche soziale Kontakte für Psyche und emotionales Gleichgewicht sind. Aber wie bei Yin und Yang profitiert hiervon auch die körperliche Gesundheit. Studien belegen, dass der tägliche Plausch mit der Nachbarin oder an der Supermarkt-Kasse bei manchen Beschwerden mehr erreicht als so manches Medikament. Gleichzeitig wird immer mehr an den gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit geforscht. Laut WHO war 2025 jeder sechste Mensch weltweit hiervon betroffen. Ein Zustand der wiederum das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte, aber auch für Diabetes, Depressionen und Panikattacken erhöhe.
Soziale Isolierung auflösen
Soziale Kontakte und Aktivitäten, die Menschen aus ihrer Einsamkeit herausholen wären also für viele eine sinnvolle therapeutische Alternative. In Großbritannien hat man deshalb vor ein paar Jahren mit dem Projekt „Social Prescribing“, den sozialen Kontakten auf Rezept begonnen – als Ergänzung zur medizinischen Behandlung. Und einzelne deutsche Städte wie Frankfurt, Düsseldorf und Hannover sind dabei diesem Vorbild zu folgen.
Link Worker als Vermittler
Wesentlich für den Erfolg ist eine vermittelnde Kontaktperson, die im regionalen Umfeld des Patienten auf Basis seiner/ihrer körperlichen Möglichkeiten nach Angeboten sucht. Ein/e solche/r Link Worker/in schaut sich die Bedürfnisse und Notwendigkeiten an und checkt danach mögliche regionale Angebote. Dazu können Walkinggruppen ebenso gehören wie Tanz- und Yogakurse oder kreative Workshops zum Malen, Musizieren, Kochen oder andere Freizeitnetzwerke – je nach Alter, persönlichen Interessen oder regionalen Angeboten. Für manche kommt sogar ein ehrenamtliches Engagement in Frage und es fehlt hierzu nur der richtige Impuls. Auch dafür sind Link Worker die passende Anlaufstelle.
Erprobungsphase zeigt Erfolg
Ziel ist es Betroffene durch ein soziales Rezept aus ihrer sozialen Isolierung herauszuholen und so der mentalen und physischen Gesundheit auf die Beine zu helfen. Hierfür arbeiten in einzelnen Kommunen die Hausarztpraxen zusammen mit Gesundheitsämtern und Krankenkassen um so die Versorgungsstrukturen zu verbessern und schneller auf kritische Bedürfnislagen eingehen zu können. Momentan befinden sich Soziale Rezepte vielerorts noch in der Erprobungs-Phase. Die positiven Ergebnisse und die Resonanz bei Betroffenen sind aber vielversprechend. Verbessert haben sich oftmals Geselligkeit und Selbstvertrauen was wiederum den Optimismus stärkt. Zurückgegangen sind bei vielen Ängste, negative Stimmungen und Einsamkeit. Menschen, die man dagegen durch Gruppenaktivitäten oder für ein erstes Beratungsgespräch nicht erreicht, können alternative Angebote übers Internet erhalten wie Tipps für Aktivitäten, die allein oder in der Natur ausgeübt werden.
Schwierige Studienlage
Viele Länder haben derzeit Interesse an Social Prescribing. Sein Erfolg wurde bislang in England aber nur sporadisch und nicht systematisch an Hand von Studien untersucht. Je mehr Link Worker aber bekannt und akzeptiert sind, desto erfolgreicher funktioniert die Vermittlung in soziale Netzwerke. In England kümmern sich inzwischen rund 3.500 Link Networker um die Sorgen und Nöte von Patienten/innen. In hiesigen Arztpraxen bleiben dafür durchschnittlich nur noch 7,6 Minuten Zeit. Zu wenig um Patienten/innen neben der gesundheitlichen Befindlichkeit auch ganzheitlich bzw. mental zu erfassen.

Die ungeschönte Realität gehört nicht unbedingt zu den Trends auf Insta, TikTok & Co. Noch immer geht es hier um die Inszenierung des idealen Augenblicks oder der schönsten Ansicht. Der Wunsch nach der perfekten rosaroten Illusion scheint Influencer/innen noch immer zu beflügeln. Oder doch nicht? Tauchen da nicht seit ein paar Monaten neue Hashtags mit dem Kürzel #btw auf? Unter dem Hinweis by the way wird hier plötzlich das Gezeigte oder Gesagte relativiert und fast schon in Frage gestellt. Frisur und Make-up sitzen, auch der Augenaufschlag passt und der Sonnenaufgang könnte perfekter nicht sein, aber eigentlich ging es dem/der Gezeigten am Morgen nach einer schlaflosen Nach so richtig mies. Herzschmerz-Kommentare bis zu Migräne oder sogar Trauer relativieren die eigentlich so perfekt-fröhlichen Bilder. Die Bandbreite der #btw-Kommentare ist inzwischen riesig. Aber auch ehrlich gemeint?
Jahr für Jahr fragt man sich, was ein erholsamer Urlaub eigentlich braucht. Einfach nur das zu tun, worauf man Lust hat oder zu dem man sonst keine Zeit hat, wäre zu einfach, vor allem wenn man mit der ganzen Familie unterwegs ist. Dann regiert auch im Urlaub der Kompromiss oder jeder macht etwas anderes und das Gemeinschaftserlebnis bleibt auf der Strecke. Urlaub funktioniert letztlich wie erholsame Arbeits-Pausen, für die 2014 das DRAMMA-Modell von drei US-Psychologen entwickelt wurde. Was für die Mittagspause gilt, kann man auch auf den Sommerurlaub mit mehr Zeit übertragen.
Der Schlaf soll uns entspannen und helfen die Probleme des vergangenen Tages zu verarbeiten. Doch ca. 5 Prozent der Bevölkerung bekommt nicht selten schon beim Gedanken an Schlaf Panik. Sie sind sicher nachts schweißgebadet aufzuwachen, weil sie immer wieder dasselbe Horrorszenario heimsucht. Albträume handeln oft von Urängsten wie ins Bodenlose zu fallen oder sich in einer mündlichen Prüfung wieder zu finden. Wiederkehrende Albträume von gefürchteten Situationen sind extrem belastend und können massive Schlafprobleme auslösen. Psychologen haben deshalb Methoden entwickelt, mit denen man auch ohne therapeutische Hilfe unerwünschte Träume loswird. In der Fachsprache heißt die bekannteste Variante „Imagery Rehearsal Therapy (IRT)“ – zu Deutsch: das Drehbuch für den Albtraum korrigieren.
Wohl jeder kennt das Zitat „Eigenlob stinkt“, das noch aus dem Mittelalter stammt. Damit war ursprünglich der Egozentriker gemeint, der sich immer in den Mittelpunkt stellt und von allen beklatscht werden will. Es richtete sich also mehr an die unangenehmen Mitmenschen mit einem übertriebenen Hang zur Selbstdarstellung. Bei allen anderen und vor allem jenen, die ungern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist ein bisschen Eigenlob gut für die mentale Gesundheit, das berufliche Fortkommen und auch die Selbstwahrnehmung. Berufsberater nennen es gern auch Eigenmarketing oder erfolgreiche Selbstvermarktung, ohne die es beim Jobwechsel meist nicht geht. Fragen nach den persönlichen Stärken und Schwächen tauchen in den meisten Vorstellungsgespräche früher oder später auf. Wem zu den möglichen Stärken dann nichts einfällt, hat wenig Chancen auf eine Zusage.






