Grippe- und Erkältungswellen rollen bereits
Für gewöhnlich steigen die Infektionszahlen erst im Dezember bzw. zum Jahreswechsel wirklich spürbar. Die Grippe hat ihren Höhepunkt meist erst im Januar oder Februar. Doch 2023 war der Beginn der aktuellen Erkältungs-Saison bereits im November nicht zu übersehen. Fast jeder kennt derzeit jemanden, der mit einem grippalen Infekt oder auch Corona zu kämpfen hat. Alle möglichen Virusvarianten sind auf dem Vormarsch, insbesondere die RS-Viren bei Kleinkindern. Wöchentlich registriert das RKI steigende Infektionszahlen. Anfang Dezember warnte Gesundheitsminister Lauterbach vor den vielen Weihnachtsfeiern und forderte ein verantwortliches Masketragen, besonders bei Kontakten mit Älteren oder Risikogruppen. Er wies auch ausdrücklich daraufhin, dass es sich bei Covid-19 eben nicht nur um eine weitere Form der Grippe handele, wie manche/r glaubt.
Volle Arztpraxen
Die Haus- und Kinderarztpraxen sind ohne Pause bereits seit Oktober stark beansprucht. Da man nur noch selten für die Statistik auf positive Testergebnisse zurückgreifen kann, ist aktuell ein wichtiger Anhaltspunkt die Anzahl der Praxisbesuche aufgrund von Atemwegserkrankungen. Anfang September betrug diese laut RKI bereits 1,7 Mio. innerhalb einer Woche. Damit lag sie ca. 68 % über der zu diesem Zeitpunkt üblichen Zahl. Nicht zu vergessen all jene, die wegen Husten und Schnupfen gar nicht zum Arzt gehen, weil sie keine Medikamente oder eine Krankschreibung benötigen. Eine Entlastung der Praxen bringt die telefonische Krankschreibung, die seit 8.12. wieder möglich ist.
Geringe Immunität
Noch immer gehen Virologen ähnlich wie im Vorjahr davon aus, dass die nach der Pandemie fehlende Immunität gegen eine Vielzahl von Erregern der Grund ist, dass derzeit so viele Atemwegsinfektionen auftreten. Und mit der großen Zahl steigt das Risiko von schweren Verläufen auch bei der Grippe oder dem RS-Virus. Senioren und vorbelastete Menschen sollten deshalb die Impfangebote auch noch im Januar nutzen. Die Feiertage werden vermutlich die Verbreitung der Viren weiter anheizen. Besorgt sind Mediziner auch aufgrund der in Australien gerade abebbenden Grippewelle, die dieses Jahr Down-under regelrecht gewütet hat. Australien gilt immer als Taktgeber für die saisonale Grippe auf der Nordhalbkugel.





Schon im letzten Jahr gab es seitens Virologen und der STIKO neue Empfehlungen für eine gleichzeitige Doppelimpfung gegen die Virusgrippe und Covid-19. Nur vereinzelt wurde diese aber auch genutzt. Zum Beginn der neuen Erkältung- und Grippesaison stehen viele nun wieder vor der Entscheidung, ob sie sich mit einem Impftermin beides geben lassen. Grundsätzlich betreffen die Empfehlungen für die Corona- und Grippeimpfungen eine ähnliche Risikogruppe: die über 60jährigen sowie Menschen mit einer Grunderkrankung oder Immungeschwächte. Liegt die letzte Booster Impfung gegen Covid-19 oder eine Covid-Infektion länger als 12 Monate zurück, würde dann die Auffrischungs-Impfung empfohlen. Schon im letzten Jahr wurde vermehrt daraufhin gewiesen, dass es sich bei der Coronaimpfung künftig ähnlich verhalten würde wie mit der Grippe-Impfung, also jährlich dem Virus angepasst zu erneuern wäre. Ein deshalb sinnvoller Kombinationsimpfstoff wird gerade entwickelt, ist in dieser Saison aber noch nicht verfügbar.

Als Pandemie gehört Covid-19 der Vergangenheit an. Doch vergleichbar mit einer gewöhnlichen Grippe ist das Virus deshalb noch lange nicht. Noch immer sind Forschende auch den Ursachen von Long-Covid auf der Spur und weiterhin finden dazu „Runde Tische“ von Politik, Forschung und Mediziner*innen wie zuletzt im September statt. Mehr Geld ist nötig um herauszufinden, was das Virus mit unserem Immunsystem macht und warum so viele Genesene noch Jahre später u. a. an Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen – dem sogenannten „Brain Fog“ sowie an Gefäß- und Gerinnungsstörungen und einer geschwächten Lungenfunktion leiden. Auch das Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle bleibt durch das Virus über Jahre erhöht. Laut WHO leiden derzeit rund 36 Mio. Menschen weltweit an Long-Covid, also jeder 30. Genesene.


