L-Thyroxin oft unnötig?
Als Hormonersatztherapie wird bei einer leichten Schilddrüsenunterfunktion heute häufig L-Thyroxin verschrieben. Seit geraumer Zeit schon gehört es zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Es ersetzt das natürliche Schilddrüsenhormon und gleicht die fehlende Menge aus. Da diese aber nur schwer exakt bestimmbar ist, braucht es für eine angepasste Dosierung oft mehrere Wochen oder auch Monate. Ist sie zu gering werden die anfänglichen Unterfunktions-Symptome nicht abgefangen, ist sie zu hoch rutscht man schnell in eine Überfunktion mit Unruhe, Herzrasen und Schlafstörungen. Immer öfter wird L-Thyroxin auch bei Knoten an der Schilddrüse oder leicht erhöhten TSH-Werten verschrieben. Dabei weist der Verband der Endokrinologen darauf hin, dass Knoten so nicht verhindert werden und grundsätzlich eine gründliche Diagnose nötig ist.
Altersabhängiger TSH-Wert
Außerdem kann es ab ca. 70 Jahren zu einem grundsätzlichen Ansteigen des TSH-Wertes kommen auch ohne, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dies gilt vor allem dann, wenn keine typischen Symptome wie ständige Müdigkeit, Gewichtszunahme bei träger Verdauung und Niedergeschlagenheit erkennbar sind. Auffällig ist, dass die Verordnung der Ersatzhormone nicht im Verhältnis zu den diagnostizierten Fällen einer Unterfunktion steht. Während die Häufigkeit einer Schilddrüsenerkrankung in den letzten 15 Jahren gleichgeblieben ist, stieg die Verordnung von L-Thyroxin um über 30 Prozent. Man geht deshalb davon aus, dass der TSH-Wert zwar erhöht, aber die eigentlichen Schilddrüsenwerte (FT3 / FT4) noch im Normbereich lagen.
Steigendes Osteoporose-Risiko
Gerade bei älteren Patienten wäre eine längere Beobachtung der Werte im Hinblick auf ein sonst steigendes Osteoporose-Risiko sinnvoll. Laut aktueller Studien leidet bei Senioren die Knochendichte durch die Einnahme von L-Thyroxin. Die Folge sind zunehmend durch Osteoporose bedingte Knochenbrüche. Ein niedrigdosiertes L-Thyroxin konnte in Studien bei einem Viertel der Teilnehmer unter ärztlicher Begleitung abgesetzt werden. Die mit einer Unterfunktion oft verbundene Hashimoto Thyreoditis tritt aufgrund besserer Diagnostik, belastender Umweltfaktoren sowie Stress weltweit immer häufiger auf.
Überversorgung mit L-Thyroxin
Man vermutet, dass in den Industrieländern auch eine erhöhte Jodzufuhr z. B. durch jodiertes Speisesalz oder Trinkwasser weitere Auslöser sein könnten. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hatte schon 2024 daraufhin gewiesen, dass medizinische Labore für den TSH-Wert altersabhängige Referenzbereiche in ihren Laborberichten angeben sollten. 2025 sprach man in Fachkreisen schon von einer Überversorgung mit L-Thyroxin. Ein eigenmächtiges Absetzen ist allerdings nicht zu empfehlen und sollte mit dem/der Arzt/Ärztin besprochen werden.

Auch wir wollten uns am 23.3.26, dem bundesweiten Streiktag beteiligen. Doch anders als ursprünglich geplant durften die Bären-Apotheken nur eingeschränkt schließen. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte der hiesigen Apothekerkammer die Genehmigung für ganztägige Protestschließungen bzw. Streiks zur Teilnahme an den Großkundgebungen untersagt. Das allgemein gültige deutsche Streikrecht endete somit am Eingang zur Apotheke. Anders als bei den Streiks 2023, die mittwochs stattfanden, wurde ein Montag im Ländle nicht gestattet. Zumindest die Bären-Apotheken in Herrenberg und Rottenburg blieben während der Kundgebungszeit zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen. Außerdem blieb das Licht aus und alle Mitarbeiter/innen trugen Schwarz um auf den Niedergang der Apotheken hinzuweisen. Es ist fünf vor Zwölf, aber die Politik handelt noch immer nicht. Deshalb war der 23.3. ein zwingend notwendiges Signal an die Politik, endlich tätig zu werden und die im Koalitionsvertrag zugesicherte Erhöhung des Apothekenhonorars in die Tat umzusetzen. Da unsere Tübinger Apotheke an diesem Tag Notdienst hatte, musste sie allerdings geöffnet bleiben.
Der Begriff Gaslighting steht für Fremdbestimmung und psychische Manipulation, die vor allem in Beziehungen vorkommen. Aber auch im Verhältnis zwischen PatientIn und Arzt bzw. Ärztin taucht er öfter auf. Da Medical Gaslighting für Betroffene sehr belastend ist und oftmals zu einer Odyssee durch Arztpraxen oder schlimmstenfalls zu unbehandelten Beschwerden führt, möchten wir dies nicht ganz neue Phänomen erklären und auch die ärztliche Perspektive nicht vergessen. Der Patient oder oftmals die Patientin kommt mit eher unspezifischen Beschwerden in die Praxis und hofft auf eine fundierte Diagnose, an Hand angemessener Untersuchungen. Doch stattdessen kommt es immer öfter zu Beurteilungen, die die Symptome abbügeln oder als nicht so schlimm bewerten. Betroffene fühlen sich dann mit ihren vorhandenen Symptomen weder ernst genommen noch angemessen behandelt, vor allem bei unspezifischen Schmerzen und Erschöpfungszuständen. Die Ursachen seien nicht belegbar und eher bei zu viel Stress oder psychosomatischen Gründen zu suchen. Man müsse nur seine Einstellung und sein Verhalten ändern, dann würden die Symptome wieder verschwinden.
Warnungen vor Rezeptfälschungen tauchen aktuell meist nur in der Apotheken-Presse auf. Deshalb möchten wir an dieser Stelle erklären, warum manche Prüfung von alten „Papier-Rezepten“ länger dauern kann. Die Kosten für nicht entdeckte Fälschungen, die erst von den Krankenkassen erkannt werden, müssen die Apotheken selbst tragen. Und das können im Einzelfall mehrere Tausend Euro sein. Trotz E-Rezept werden für einzelne Bereiche und Medikamente weiterhin Papierrezepte akzeptiert – natürlich auch für den Fall eines Technikproblems in den Praxen. Meist geht es bei Fälschungen um sogenannte Hochpreiser wie Krebsmedikamente und starke Schmerz- bzw. Betäubungsmittel, aber auch Life-Style-Präparate wie Abnehmspritzen, für die es einen umfangreichen Online-Schwarzmarkt gibt.
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind gerade im Winter, in Erkältungszeiten oder anspruchsvollen Lebensphasen, die den Körper stärker fordern sinnvoll und gesunderhaltend. Immer wieder liest man, dass diese bei einer gesunden Ernährung und einem ausgewogenen Lebensstil unnötig wären. Oft folgen darauf die Reaktionen von Fachleuten, die das Gegenteil behaupten. Warum also jetzt wieder ein erneuter Angriff auf die tägliche Dosis Vitamine und Mineralstoffe? Wer daneben regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte wissen, dass es in Kombination mit NEM-Produkten gefährliche oder unerwünschte Wechselwirkungen geben kann. Die meisten sind eher unbekannt und verschreibende Ärzte wissen oft gar nicht, dass der Patient zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe nimmt. Dabei haben NEM-Produkte auch Einfluss auf Laborwerte, den Hormonstatus, Blutzuckerspiegel sowie die Blutgerinnung.





