Apotheken-Protesttag Ende März

Auch wir wollten uns am 23.3.26, dem bundesweiten Streiktag beteiligen. Doch anders als ursprünglich geplant durften die Bären-Apotheken nur eingeschränkt schließen. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte der hiesigen Apothekerkammer die Genehmigung für ganztägige Protestschließungen bzw. Streiks zur Teilnahme an den Großkundgebungen untersagt. Das allgemein gültige deutsche Streikrecht endete somit am Eingang zur Apotheke. Anders als bei den Streiks 2023, die mittwochs stattfanden, wurde ein Montag im Ländle nicht gestattet. Zumindest die Bären-Apotheken in Herrenberg und Rottenburg blieben während der Kundgebungszeit zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen. Außerdem blieb das Licht aus und alle Mitarbeiter/innen trugen Schwarz um auf den Niedergang der Apotheken hinzuweisen. Es ist fünf vor Zwölf, aber die Politik handelt noch immer nicht. Deshalb war der 23.3. ein zwingend notwendiges Signal an die Politik, endlich tätig zu werden und die im Koalitionsvertrag zugesicherte Erhöhung des Apothekenhonorars in die Tat umzusetzen. Da unsere Tübinger Apotheke an diesem Tag Notdienst hatte, musste sie allerdings geöffnet bleiben.

Apotheken-Schließungen nehmen zu
Eine Folge der finanziellen Probleme durch das politische Nichthandeln sind seit Jahren zunehmende Apotheken-Schließungen in den Städten, aber vor allem im ländlichen Raum, wo der Weg zur nächsten Apotheke immer länger wird. Nachfolger sind für Apotheken kaum noch zu finden, da die finanziellen Risiken einfach zu groß sind, wie ein zu geringer Ertrag bei weiter steigenden Anforderungen sowie immer geringeren Chancen auf notwendige neue Mitarbeiter/innen bei immer schlechteren Arbeitsbedingungen. Der Druck durch ausländische Versandapotheken, die sich nicht an hiesige Regeln halten müssen, tut ein Übriges dazu. Die Politik scheint genau dies aber in Kauf zu nehmen: weniger Apotheken, mit immer mehr Aufgaben bei rückläufiger Entlohnung zu belasten. Das ist inakzeptabel und spart eine ganze Berufssparte kaputt. Deshalb: sprechen Sie uns jederzeit an und zögern Sie nicht Ihre Fragen zu stellen!

Wie umgehen mit medizinischem Gaslighting?

Der Begriff Gaslighting steht für Fremdbestimmung und psychische Manipulation, die vor allem in Beziehungen vorkommen. Aber auch im Verhältnis zwischen PatientIn und Arzt bzw. Ärztin taucht er öfter auf. Da Medical Gaslighting für Betroffene sehr belastend ist und oftmals zu einer Odyssee durch Arztpraxen oder schlimmstenfalls zu unbehandelten Beschwerden führt, möchten wir dies nicht ganz neue Phänomen erklären und auch die ärztliche Perspektive nicht vergessen. Der Patient oder oftmals die Patientin kommt mit eher unspezifischen Beschwerden in die Praxis und hofft auf eine fundierte Diagnose, an Hand angemessener Untersuchungen. Doch stattdessen kommt es immer öfter zu Beurteilungen, die die Symptome abbügeln oder als nicht so schlimm bewerten. Betroffene fühlen sich dann mit ihren vorhandenen Symptomen weder ernst genommen noch angemessen behandelt, vor allem bei unspezifischen Schmerzen und Erschöpfungszuständen. Die Ursachen seien nicht belegbar und eher bei zu viel Stress oder psychosomatischen Gründen zu suchen. Man müsse nur seine Einstellung und sein Verhalten ändern, dann würden die Symptome wieder verschwinden.

Ist man selbst schuld?
Nicht selten fühlt man sich nach einer solchen „Diagnose“ wie ein Hypochonder mit eingebildeten Beschwerden und sucht die Ursachen für diese bei sich selbst. Häufig betroffen sind hiervon vor allem Frauen, was das medizinische Gaslighting nicht selten zu einem Gender-Health-Gap führt, wenn das Geschlecht über den Erfolg einer Behandlung entscheidet. Die Medizin orientiert sich noch immer überwiegend am männlichen Körper als an weiblichen Besonderheiten wie Hormonlage, geringerem Gewicht, häufig atypischen Symptomen und selten an Arzneimittel-Studien, die gleichermaßen weibliche wie männliche Probanden einschließen.

Fehlende Gender-Medizin
Gerade Frauen kommen oftmals mit unklaren Symptomen wie Schwindel, Erschöpfung und Kreislaufbeschwerden in die Praxis. Wenn dann der Blutdruck aber unauffällig ist und auch ein erstes EKG keine Besonderheiten zeigt, werden oft keine weiteren Mittel der Diagnostik eingesetzt. Beschwerden sind dann schnell „normal“ oder hormonell bedingt oder lassen sich durch mehr Sport oder eine Gewichtsreduzierung in den Griff kriegen. Häufig von medizinischem Gaslighting betroffen sind chronische Erkrankungen wie Autoimmunstörungen, Migräne, Endometriose aber auch Herzbeschwerden, die bei Nichterkennen kritisch oder durch Tipps wie „machen Sie mehr Sport“ schnell gefährlich werden können.

Kostendruck und Zeitmangel
Eine unzureichende Anamnese ist oft dem Zeitdruck und nicht zuletzt notwendiger Kostenreduzierung der Praxen insbesondere bei Kassenpatienten geschuldet. Jede/r Patient/in hat aber das Recht auf eine zweite Meinung und sollte diese bei einer Diagnose, die sich nicht an den genannten Symptomen orientiert auch nutzen. Es wäre bei einem weiteren Termin wichtig sich auf das Gespräch mit dem/der Arzt/Ärztin vorzubereiten und vorab konkrete Fragen zu formulieren.

Sich Unterstützung holen
Wenn man sich unsicher fühlt, kann auch die Begleitung durch einen Familienangehörigen oder eine Vertrauensperson sinnvoll sein. Man sollte wissen, dass es zahlreiche Krankheitsbilder gibt, bei denen bis zur endgültigen Diagnose mitunter Jahre vergehen können, denn nicht immer passt das ärztliche Profil zum Krankheitsbild. Bei der Unterleibserkrankung Endometriose z. B. haben viele Frauen eine jahrelange Praxen-Odyssee hinter sich. Ähnliches gilt für die chronischen Erschöpfungszustände bei ME/CFS und für manche seltene Autoimmunerkrankung.

Tagebuch führen
Hilfreich ist es, um eine Bagatellisierung zu verhindern, ein Krankheits- oder Schmerz-Tagebuch zu führen, wo man festhält, wann, wie oft und wie stark welche Symptome auftreten. Im Zweifelsfall sollte man konkret nach bestimmten Untersuchungen wie Langzeit- oder Belastungs-EKG, einem MRT oder tiefergehenden Blutuntersuchungen fragen. Je besser vorbereitet man in ein Arzt-Gespräch geht, desto schwieriger wird es Symptome kurzer Hand abzuwiegeln.

Neuer Trend Fibermaxxing

Seit letztem Jahr macht sich in den sozialen Medien das Fibermaxxing breit, was so viel wie „maximierte Ballaststoffe“ heißt. Erreichen wollen Influencer damit eine optimale Verdauung, weniger Gewicht und eine gesunde Haut. Auch Ernährungsfachleute und Mediziner/innen feiern Ballaststoffe als einfaches Mittel um Herz- und Kreislauf- sowie Gefäßproblemen vorzubeugen. Die unverdaulichen pflanzlichen Nahrungsbestandteile reduzieren neben den Cholesterinwerten allgemein das Gewicht, da sie schneller und länger satt machen und dabei Blutzucker und Hormonspiegel stabilisieren. Doch wie immer kann man es auch hiermit übertreiben. Letztlich zählt eine gesunde Mischung aus Ballaststoffen, Proteinen und Kohlenhydraten. Weizen- gegen Vollkornprodukte tauschen, in den Tag mit Haferflocken starten, mittags Gemüse mit Hülsenfrüchten kombinieren und zwischendurch zwei bis drei Portionen Obst und Nüsse essen hält gesund und fit.

Gesunde Ballaststoffe
Empfohlen werden für Erwachsene 30 g pro Tag, die man beim Fibermaxxing übertreffen sollte. Aber für wen ist dieser Ballaststoff-Boom sinnvoll und für wen gar gefährlich? Um den Regeln des Fibermaxxings zu folgen, braucht es regelmäßig hochwertige Vollkornnudeln, Hülsenfrüchte wie Linsen sowie Samen und reichlich ballaststoffreiches Gemüse wie Kohl, Fenchel, Paprika, Rote Bete oder Möhren. Eine solche Mahlzeit ist durchaus gesund. Aber was passiert mit der Verdauung, wenn sie diese Vielzahl an Ballaststoffen täglich verarbeiten muss? Grundsätzlich halten sie unsere Verdauung in Schwung, regen Darmtätigkeit und Gallensaft an und stärken nebenbei das Immunsystem.

Zu viel hilft hier wenig
Aber wie so oft hat alles seine Grenzen, die spätestens dann erreicht sind, wenn man zusätzlich Ballaststoffpulver oder andere High-Fiber-Produkte zu sich nimmt. Angepriesene Mengen von 50 bis 100 g täglich sind zu viel und können zu Verstopfung, Blähungen und Krämpfen führen. Besonders kritisch sind sie für einen Reizdarm, chronische Darmentzündungen oder auch -verengungen. Auch die Aufnahme einzelner Medikamente kann durch ein Übermaß an Ballaststoffen beeinträchtigt werden wie Cholesterinsenker, Herzglycoside und das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin. Grundsätzlich sollte man die gewohnten Ballaststoffanteile langsam steigern, darauf achten wie der Körper reagiert, auf Völlegefühl und Blähungen achten und dabei mindestens 1,5 Liter Trinken nicht vergessen.

Überzogene Erwartungen
Viele Versprechungen von Influencern wie ein flacher Bauch, reine Haut oder eine Darmsanierung sind dagegen überzogen und kaum belegbar. Auch die oft angepriesenen Flohsamen sollten als natürliche Ballaststoffe nicht im Übermaß zugeführt werden. Eine ausgewogene und pflanzenbetonte Ernährung ist dagegen sinnvoll und gesund. Und mehr Ballaststoffe sind in jedem Fall dem überzogenen Protein-Trend oder Low-Carb-Diäten vorzuziehen.

Immer mehr Rezeptfälschungen

Warnungen vor Rezeptfälschungen tauchen aktuell meist nur in der Apotheken-Presse auf. Deshalb möchten wir an dieser Stelle erklären, warum manche Prüfung von alten „Papier-Rezepten“ länger dauern kann. Die Kosten für nicht entdeckte Fälschungen, die erst von den Krankenkassen erkannt werden, müssen die Apotheken selbst tragen. Und das können im Einzelfall mehrere Tausend Euro sein. Trotz E-Rezept werden für einzelne Bereiche und Medikamente weiterhin Papierrezepte akzeptiert – natürlich auch für den Fall eines Technikproblems in den Praxen. Meist geht es bei Fälschungen um sogenannte Hochpreiser wie Krebsmedikamente und starke Schmerz- bzw. Betäubungsmittel, aber auch Life-Style-Präparate wie Abnehmspritzen, für die es einen umfangreichen Online-Schwarzmarkt gibt.

Immer schwerer erkennbar
Auch nach Osteuropa werden mit falschen Rezepten erstandene Medikamente, die dort Mangelware sind, teuer weiterverkauft. Manche Apotheken sind wöchentlich damit konfrontiert. Manche Fälschung fliegt auch einfach durch die zusätzliche Vorlage der Gesundheitskarte auf. Grundsätzlich werden Rezeptfälschungen aber immer schwerer erkennbar und rücken oft erst durch die Kombination von diversen Auffälligkeiten in eine genauere Kontrolle und müssen dann in der ausstellenden Arztpraxis angefragt werden.

Medikamente teuer weiterverkaufen
Rutscht im Apothekenalltag eine solches Rezept unerkannt durch, bleibt die Apotheke auf den Kosten hierfür sitzen, da die Krankenkassen i. d. R. eine Erstattung verweigern. In früheren Jahren betraf das Problem hauptsächlich einzelne gefälschte Privatrezepte. Heute dagegen geht es bei Rezeptbetrug vor allem um Kassenrezepte, mit denen im großen Stil kostenlos Medikamente abgegriffen werden um sie dann teuer weiterzuverkaufen. Anfang Februar konnte in München eine Bande bundesweit agierender Rezeptfälscher festgenommen werden. Der Wert der sichergestellten falschen Rezepte und Medikamente lag im sechsstelligen Bereich.

Wechselwirkungen mit Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind gerade im Winter, in Erkältungszeiten oder anspruchsvollen Lebensphasen, die den Körper stärker fordern sinnvoll und gesunderhaltend. Immer wieder liest man, dass diese bei einer gesunden Ernährung und einem ausgewogenen Lebensstil unnötig wären. Oft folgen darauf die Reaktionen von Fachleuten, die das Gegenteil behaupten. Warum also jetzt wieder ein erneuter Angriff auf die tägliche Dosis Vitamine und Mineralstoffe?  Wer daneben regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte wissen, dass es in Kombination mit NEM-Produkten gefährliche oder unerwünschte Wechselwirkungen geben kann. Die meisten sind eher unbekannt und verschreibende Ärzte wissen oft gar nicht, dass der Patient zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe nimmt. Dabei haben NEM-Produkte auch Einfluss auf Laborwerte, den Hormonstatus, Blutzuckerspiegel sowie die Blutgerinnung.

Beeinflussung von Laborwerten
Fast alle Prozesse laufen im Körper unter Beteiligung von Mikronährstoffen ab, die wir im Idealfall alle durch die Nahrung zu uns nehmen. Manche werden auch erst im Organismus gebildet, wie z. B. Vitamin D. Medikamente, die nur hin und wieder genommen werden, belasten deshalb in der Regel unseren Stoffwechsel und wichtige Mikronährstoffe wenig. Bei einer regelmäßigen Einnahme sieht es dagegen anders aus, denn NEMs können die Wirksamkeit von Medikamenten und auch Laboruntersuchungen beeinflussen. Behandelnde Ärzte sollten deshalb über eine regelmäßige Einnahme Bescheid wissen. Der einfachste Weg wäre es auch Nahrungsergänzungsmittel in der E-PA der elektronischen Patientenakte, einzutragen. Auch eine zeitlich versetzte Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Medikamenten kann Wechselwirkungen verhindern.

Im zeitlichen Abstand einnehmen
Kritische Wechselwirkungen können sich z. B. bei der gleichzeitigen Einnahme von Eisen und Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol einstellen. Hier kommt es oft zu Reizungen von Magen oder Darm und entsprechender Übelkeit, Sodbrennen oder Verdauungsproblemen. Häufig treten bei Herzpatienten durch die Kombination von Kalium und ACE-Hemmern oder ASS als Blutverdünnern eine zu hohe Kaliumkonzentration im Blut auf. Auch bei Antibiotika und Schilddrüsenpräparaten gibt es einige NEMs, die die Wirkung blockieren können wie Calcium, Magnesium, Zink und Eisen. Mindestens zwei Stunden sollten deshalb zwischen den Einnahmen liegen.

Medikationscheck reduziert Risiken
Vitamin C reagiert ebenfalls in Kombination mit einigen Wirkstoffen wie z. B. Thrombosemedikamenten, gleichzeitig hilft es aber der Eisenaufnahme im Darm. Relativ bekannt ist das Problem mit Vitamin K, das man nicht mit Blutverdünnern kombinieren sollte, da es deren Wirkung hemmt. Auch das beliebte Vitamin D spielt bei einigen Medikamenten eine Rolle, weil es seine Verstoffwechselung negativ beeinflusst wie Epilepsie-Präparate, Blutdrucksenker, Kortison und sogar Krebsmedikamente. Wer diese einnimmt, sollte mehr Vitamin-D einnehmen und den Status regelmäßig kontrollieren. Bei vielen Kombinationen ist  ein gründlicher Medikationscheck bei uns zu empfehlen oder die verschreibende Praxis anzusprechen.

Risiken durch Melatonin-Einschlafsprays?

Jahr für Jahr steigen die Angebote an Melatonin-Produkten und auch die Nachfrage nimmt stetig zu. Bei der unüberschaubaren Menge in Drogeriemärkten und Apotheken hat der Verbraucherschutz einen Teil nun genauer unter die Lupe genommen. Bei Öko-Test wurden bei 16 von 19 Sprays gravierende Mängel gefunden. Von ungenügend bis ausreichend reichten die Bewertungen, wobei letztere den besten Noten entsprach. Bewertet wurden Inhaltsstoffe, Wirksamkeit und Verbraucher-Informationen. Der Nutzen ist demnach sehr begrenzt und bei über der Hälfte wich die im Labor nachgewiesene Menge des enthaltenen Wirkstoffs so weit von den Angaben der Hersteller ab, dass eine Einnahme sogar gefährlich werden kann. Der Melatoningehalt lag teilweise höher als bei verschreibungspflichtigen Mitteln. Dazu kommen fehlende Hinweise auf Einnahmedauer, Risikogruppen oder zusätzliche Inhaltsstoffe.

Risiko langfristiger Einnahme
All dies ist rechtlich gesehen bei einem Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nicht zwingend nötig. Aber viele Nutzer übersehen nur allzu oft, dass es sich bei NEMs eben nicht um geprüfte Medikamente handelt. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist auch laut BfR (Bundesamt für Risikobewertung) kaum im Sinne einer unkontrollierten oder gar langfristigen Einnahme, deren Folgen völlig im Dunkeln liegen. Oft wird bei Melatonin ausgeblendet, dass es sich um ein körpereigenes Hormon handelt, das nach Sonnenuntergang in der Zirbeldrüse im Gehirn gebildet wird. Die Produktion beginnt zur Vorbereitung auf den Schlaf und findet nachts ihren Höhepunkt. Sie beeinflusst neben unserem Schlafbedürfnis auch die Körpertemperatur und hängt zusammen mit der Ausschüttung weiterer Hormone. Jede zusätzliche Einnahme greift somit in den komplizierten und sehr individuellen Hormonhaushalt ein.

Keine Hinweise auf Neben- und Wechselwirkungen
Verschreibungspflichtige Melatonin Präparate geben deshalb das Schlafhormon über einen längeren Zeitraum in den Stoffwechsel ab und nicht auf einmal. Bei Melatonin haltigen NEM-Produkten liegen weder Studien noch wissenschaftliche Daten vor. Entsprechend riskant ist deren regelmäßige Einnahme. Typische Nebenwirkungen können laut BfR Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, Tagesmüdigkeit, verlängerte Reaktionszeiten sowie Alpträume sein. Aber auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich, insbesondere wenn diese wie das Melatonin über Leber und Nieren abgebaut werden, ebenso für spezielle Risikogruppen mit entzündlichen Vorerkrankungen wie Morbus Crohn sowie Epilepsie oder Autoimmunstörungen.

Mögliche Herzinsuffizienz
Hinzu kommt das erhöhte Risiko für Herzinsuffizienz, die durch eine US-amerikanische Meta-Studie aufgedeckt wurde. Hierbei wurden die Daten von mehr als 130.000 Erwachsenen aus unterschiedlichen Ländern ausgewertet, die mindestens ein Jahr Melatonin-Präparate eingenommen hatten. Das Risiko innerhalb von wenigen Jahren danach eine Herzschwäche zu erleiden, war demnach statistisch um 89 Prozent höher als bei Menschen, die kein Melatonin einnahmen. Diese Erkenntnisse sind allerdings vorläufig und müssen noch bestätigt werden. Falls ja, könnte sich dies auf künftige ärztliche Empfehlungen bei Schlafproblemen auswirken oder auch jegliche Einnahme von Melatonin künftig eine ärztliche Kontrolle notwendig machen.

Sinnvoll bei Jetlag
In welcher Form sie angeboten werden, ob als Spray, Tropfen, Dragees oder auch Gummibärchen ist dabei unerheblich. Gerade bunte Gummidrops suggerieren am stärksten ihre Harmlosigkeit. Dabei sind es eben keine Süßigkeiten, sondern Hormone, die vor allem bei häufiger Einnahme die Körperfunktionen beeinflussen. Sinnvoll könnten sie dagegen weiterhin bei Symptomen eines Jetlags sein. Wiederkehrende Schlafprobleme benötigen dagegen eine gründliche Anamnese und meist das Üben von Entspannungstechniken, die langfristig mehr bringen als Schlafmittel.

Aktuelle PTA-Ausbildung und -Patenschaften

Der größte Teil der Ausbildung zum/zur Pharmazeutisch Technische/n Assistenten/in findet an Berufsfachschulen statt. Es ist noch nicht lange her, da fiel für diese Zeit ein Schulgeld an. Das hat sich in den letzten Jahren verändert. Zwar gibt es neben den staatlichen Schulen noch immer einzelne private PTA-Schulen, aber auch die hier anfallenden Schulgebühren können über das Land, durch BAföG oder Bildungsgutscheine gefördert werden. Zugangsvoraussetzung für angehende PTAs ist ein Real-Schul-Abschluss. Mit Abitur lässt sich allerdings die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen. Der schulische Teil wird bestimmt von naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie, Pflanzen- und Arzneimittelkunde, Labor und Rezepturherstellung sowie daneben von den betrieblichen Anforderungen des Apothekenalttags wie IT, Arzneimittelverwaltung inkl. Sortimentspflege. Es wundert deshalb nicht, dass bei den Abschlusszeugnissen der Bewerber/innen vor allem auf die Noten in den Naturwissenschaften und Mathematik geachtet wird.

Tägliche Gesundheitsberatung
Für PTAs stehen in der Apotheke immer die Kunden/innen und ihre Gesundheitsberatung im Mittelpunkt. Dieser Beruf verbindet naturwissenschaftliches Wissen und seine praktische Anwendung mit dem direkten Kontakt zum Menschen. Um sich diese wichtigen praktischen Kompetenzen anzueignen sind zwei Praktika während und nach der schulischen Ausbildung nötig. Der schulische Abschluss erfolgt mit dem ersten Prüfungsteil und das sich anschließende 6-monatige Praktikum schließt mit dem zweiten Prüfungsteil ab.

Patenschaften seit 2023
Um möglichst früh den Kontakt zur Apotheke zu bekommen, in der man das Praktikum absolviert, wurde in Baden-Württemberg 2023 die PTA-Patenschaft eingeführt. Schon während der schulischen Ausbildung bekommt man so den direkten Kontakt zur Apotheke und kann schon vor dem Pflichtpraktikum praktische Vor-Ort-Erfahrungen sammeln. Statt sich während der Schule durch Aushilfsjobs Geld dazu zuverdienen, wird im Rahmen einer PTA-Patenschaft das Jobben direkt in der Apotheke möglich.

Von Anfang an Teil des Teams
Aufgrund des ständigen Fachkräftemangels ist dies für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Die angehenden PTAs bekommen schon während des theoretischen Lernens praktisches Fachwissen vermittelt und die Patenschafts-Apotheke profitiert von fachnahen Aushilfskräften, die man frühzeitig an das Apotheken-Team binden kann. Die Bären-Apotheke engagiert sich von Beginn an als PTA-Patenschafts-Apotheke.

Von der Abnehmspritze wegkommen

Die erfolgreichen Abnehmspritzen, die seit einigen Jahren Adipositaspatienten/innen dabei helfen zugig Kilos zu verlieren, führt laut neuer Studien nach dem Absetzen schnell zum Ausgangsgewicht zurück. Während in den ersten 4 Wochen noch nicht viel passiert, nehmen die meisten ab der 8. Woche monatlich im Durchschnitt um 0,4 kg zu. Im Vergleich dazu beläuft sich die Zunahme bei Personen, die ihre Gewichtsreduzierung durch Sport und eine Ernährungsumstellung erreicht haben, nach einem Rückfall in alte Verhaltensmuster nur auf 0,1 kg monatlich. Bei den meisten, die sich allein auf die Abnehmspritze verlassen haben, ist das ursprüngliche Gewicht  nach 1,5 bis 2 Jahren wieder erreicht. Auch zusätzliche Gesundheitsvorteile wie niedrigerer Blutdruck, Blutzucker und Blutfett-Werte waren mit der erneuten Gewichtszunahme wieder verschwunden. Der schlechte Stand vom Beginn der Behandlung war also schnell zurück.

Jo-Jo-Effekt reduzieren
Das Fazit der Studien lautet deshalb aktuell: die Abnehmspritzen allein reichen nicht aus, es braucht unbedingt eine Kombination mit einer Verhaltensänderung sowie Ernährungsumstellung um das erreichte Gewicht langfristig halten zu können. Alternativ müsste ein Ausschleichen des Wirkstoffes über einen längeren Zeitraum getestet werden, um die rapide Gewichtszunahme zu verhindern. Auch eine Dosisreduktion als Dauertherapie wird geprüft. Es werden weitere langfristige Studien und Untersuchungen notwendig sein, um den auftretenden Jo-Jo-Effekt der Abnehmspritzen zu reduzieren oder in den Griff zu bekommen. Besonders stark war dieser Effekt bei den Patienten/innen mit sehr großem Gewichtsverlust gegenüber jenen mit nur moderater Abnahme.

Zukünftige Abnehmpille?
Es zeichnet sich derzeit ab, dass man sich für eine erfolgreiche langfristige Behandlung entweder auf eine Kombination aus einer Verhaltensänderung plus einer medikamentösen Abnehmspritze einstellen muss. Oder eine dauerhafte Einnahme wäre erforderlich, was für die meisten Betroffenen bei Kosten von mehreren 100 Euro pro Monat finanziell kaum zu stemmen wäre. Eine mögliche langfristige Alternative könnte die Abnehmpille werden, die nach demselben Wirkprinzip funktioniert, sich derzeit aber noch in der Studienphase befindet.

Neue Wirkstoffe gegen Migräne

2025 war theoretisch ein gutes Jahr für Migräne-Geplagte – zumindest für jene, die zu den Patienten gehören, die von den neuen Medikamenten profitieren. Weltweit sind rund 3 Milliarden Menschen von regelmäßigen Migräneattacken betroffen, die neben stechenden Kopfschmerzen das Leben durch Schwindel, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen massiv beeinträchtigen. Migräne ist inzwischen eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer, was sich vermutlich auf die monatlichen Hormonschwankungen als Auslöser zurückführen lässt. Eine individuell besser angepasste Therapie ist seit seiner Markteinführung durch den Wirkstoff Gepante nun auch hierzulande möglich.

Mehr Prävention
Das Mittel Atogepant soll vor allem Patienten mit chronischer Migräne oder sehr häufigen Migräne-Episoden helfen und wird verstärkt präventiv eingesetzt. Gepante docken an den Botenstoffen CGRP an, die zu Migräne-Anfällen führen und werden insbesondere Patienten verschrieben, bei denen die gängigen Triptane oder auch die bekannte Antikörper-Therapie nicht helfen oder durch bestehende Herz- oder Gefäßprobleme nicht eingesetzt werden dürfen. Ein Ausschluss-Kriterium sind auch Nieren- oder Leberfunktionsstörungen. In den USA sind neue Gepante schon länger auf dem Markt und zeigen bislang wenige Nebenwirkungen. Mitunter kann es zu Verdauungsbeschwerden und Gewichtsverlust kommen.

Zahl der Attacken reduzieren
Ein weiteres Mittel unter der Abkürzung PACAP, das zu den Signalmolekülen zählt, rückt derzeit einen anderen Ansatz in den Fokus der Migräneforschung. Auch hier geht es vor allem um die Prävention und Reduzierung von Migräne-Attacken. Die neuen Wirkstoffe Rimegepant und Lasmiditan sind dagegen auch bei bereits bestehenden Anfällen einsetzbar. Was für wen geeignet ist, hängt stark von der individuellen Ausgangslage ab. Neurologen und Kopfschmerzexperten hoffen durch die neuen Wirkstoffe zu erreichen, was bisher kaum möglich war, künftig allen Migräne-Patienten helfen zu können,

Neue Migräne-Leitlinien
Als nicht-medikamentöse Therapie, die auch für Jugendliche ab 12 Jahren einsetzbar ist, gilt die neue Remote Electrical Neuromodulation. Hierbei werden während einer Migräne-Attacke die Nerven am Oberarm elektrisch stimuliert und so die Schmerzintensität der Kopfschmerzen reduziert. Aufgrund dieser zahlreichen neuen Therapieansätze hat die Deutsche Hirnstiftung die Leitlinien zur Migränetherapie aktualisiert und eine neue Version für Patienten veröffentlicht.