Immer mehr Rezeptfälschungen

Warnungen vor Rezeptfälschungen tauchen aktuell meist nur in der Apotheken-Presse auf. Deshalb möchten wir an dieser Stelle erklären, warum manche Prüfung von alten „Papier-Rezepten“ länger dauern kann. Die Kosten für nicht entdeckte Fälschungen, die erst von den Krankenkassen erkannt werden, müssen die Apotheken selbst tragen. Und das können im Einzelfall mehrere Tausend Euro sein. Trotz E-Rezept werden für einzelne Bereiche und Medikamente weiterhin Papierrezepte akzeptiert – natürlich auch für den Fall eines Technikproblems in den Praxen. Meist geht es bei Fälschungen um sogenannte Hochpreiser wie Krebsmedikamente und starke Schmerz- bzw. Betäubungsmittel, aber auch Life-Style-Präparate wie Abnehmspritzen, für die es einen umfangreichen Online-Schwarzmarkt gibt.

Immer schwerer erkennbar
Auch nach Osteuropa werden mit falschen Rezepten erstandene Medikamente, die dort Mangelware sind, teuer weiterverkauft. Manche Apotheken sind wöchentlich damit konfrontiert. Manche Fälschung fliegt auch einfach durch die zusätzliche Vorlage der Gesundheitskarte auf. Grundsätzlich werden Rezeptfälschungen aber immer schwerer erkennbar und rücken oft erst durch die Kombination von diversen Auffälligkeiten in eine genauere Kontrolle und müssen dann in der ausstellenden Arztpraxis angefragt werden.

Medikamente teuer weiterverkaufen
Rutscht im Apothekenalltag eine solches Rezept unerkannt durch, bleibt die Apotheke auf den Kosten hierfür sitzen, da die Krankenkassen i. d. R. eine Erstattung verweigern. In früheren Jahren betraf das Problem hauptsächlich einzelne gefälschte Privatrezepte. Heute dagegen geht es bei Rezeptbetrug vor allem um Kassenrezepte, mit denen im großen Stil kostenlos Medikamente abgegriffen werden um sie dann teuer weiterzuverkaufen. Anfang Februar konnte in München eine Bande bundesweit agierender Rezeptfälscher festgenommen werden. Der Wert der sichergestellten falschen Rezepte und Medikamente lag im sechsstelligen Bereich.