Kein Glück ohne Unglück?

Die Deutschen gelten als pessimistische Grübler, die in jeder Suppe noch ein Haar finden. Da wundert es nicht, dass gerade deutsche Philosophen sich über das Gleichgewicht von Glück und Unglück Gedanken machen. Der Glücksforscher Wilhelm Schmid hat beispielsweise die These aufgestellt, dass es ohne Unglück kein echtes Glück gäbe und warum wir mit beidem leben lernen sollten. Höhen und Tiefen sind bekanntlich Teil des Lebens und selbst Kant war schon der Meinung, das glückliche Leben erwachse aus dem Schmerz. Wer sich also vor dem Unglück verkriecht, könne kein Glück erleben. Unglück bedeutet meist einen Verlust oder auch Abschied zu verwinden und ist oftmals verbunden mit Trauer. Man trauert um Partner, Angehörige oder Freunde, aber auch um einen Arbeitsplatz oder das Ende einer Beziehung. Derlei Trauerphasen sind wichtig und brauchen seine Zeit. Sie beinhalten aber auch genauso oft einen Neuanfang, sind also eine unglückliche Phase deren Ende absehbar ist.
Alltägliche Pechsträhnen
Und dann gibt es das tägliche kleine Unglück, das zu den typischen „Heute-nicht-mein-Tag-Ereignissen“ gehört: der verpasste Bus, das Auto, das nicht anspringt, die Lieblingstasse, die zu Bruch geht, der Termin, den man völlig vergessen hat oder ein Missverständnis mit dem ungeliebten Schlaumeier-Kollegen, das zu einem Streit führt. Probleme, die gelöst werden müssen, damit aus einem kleinen Unglück kein größeres wird. Aber dies alles sind Situationen, die zum Leben gehören, die wir nicht verhindern, sondern nur meistern können. Wenn sie aber überwunden sind, spürt man nicht selten dieses kleine Glück, Probleme erfolgreich gelöst zu haben. Ein Leben, in dem immer alles glatt läuft wie in einer Art Glücksmaschine, wäre geradezu unheimlich und das Gegenteil von erstrebenswert. Denn intuitiv ahnt man, dass hier etwas nicht stimmt.
Unglückliche Lottogewinner
Unterbewusst wartet dann so mancher auf den großen Knall. Schwere Unfälle sind für viele neben Krankheit, das schlimmste denkbare Unglück. Warum für manche aber selbst daraus noch Glück erwachsen kann, hat eine US-Studie herausgefunden. Hierbei wurde die Lebensqualität von Lottogewinnern mit der von querschnittsgelähmten Unfallopfern verglichen. Direkt nach diesen Ereignissen war das Glück bzw. Unglück der Betroffenen wie erwartet hoch, aber nach einiger Zeit kippte die Lebensqualität. Was sich der Gelähmte erkämpft hatte, brachte ihm langfristig mehr Glück und Zufriedenheit ein, als der Geldsegen dem Lottogewinner. Somit stützt die Studie die These einiger Philosophen, dass nur jener, der das Unglück kennt, das Glück zu schätzen wisse.
Glück durch Lebenssinn
Wer übermäßig viel Glück hat, will es vor allem bewahren, während das Unglück oft ein stärkerer Antriebsmotor ist. Was nicht bedeutet, dass gehäuftes Unglück nicht auch zu Verzweiflung oder Depressionen führen kann. Aber unsere Resilienz wird vom dosierten kleinen Unglück eher angetrieben als von einem gleichförmigen Glücksgefühl, was man irgendwann als solches nicht mehr wahrnehmen würde. Für Wilhelm Schmid ist deshalb auch der Sinn des Lebens, den wir selbst in der Hand haben, entscheidender als das flüchtige Glück. Dann kann man auch mit unvermeidbaren unglücklichen Phasen besser umgehen.



Auf der japanischen Insel Okinawa leben die ältesten Menschen der Welt und von hier stammt auch das Ikigai. Iki steht für das Leben und gai wörtlich übersetzt für Wert oder Sinn. Es dreht sich also beim Ikigai darum, den für sich wesentlichen Sinn des Lebens zu finden, quasi seine persönliche Glücksformel. Was entspricht unseren individuellen Werten und unserer Berufung? Was ist die innere Mission, die uns glücklich macht? Im Ikigai benötigt man für die entsprechenden Antworten keine langwierige Therapie. Selbstreflexion gehört zur japanischen Lebensart. Findet man das, was man zum Glücklichsein braucht, wird man automatisch zu einem wertvollen und effektiven Teil der Gesellschaft. Ein ganz praktischer Mehrwert des Ikigai. Anders als man denkt, geht es beim Ikigai weniger um Selbstoptimierung, sondern um die klassische Sinnsuche. Was dem Leben Sinn gibt, macht fast automatisch auch glücklicher.

Unangenehme Situationen vermeiden alle hin und wieder gern. Aber wer hätte gedacht, dass das Telefonieren inzwischen ebenfalls hierzu zählt? Dabei gehört es für viele zum täglichen Arbeitsalltag. Azubis, die jetzt ihre Ausbildung in einem Büro beginnen, werden sich also diesem neuen Feind der Gen Z stellen müssen. Schon die Generation der Millenniales, die ein Leben ohne Handy und Internet nicht mehr kennen, nutzt ihre Mobile-Phones kaum noch zum Telefonieren. Eine Funktion, für die es ursprünglich erfunden wurde. Stattdessen verschickt man Sprachnachrichten, je länger desto lieber. Termine beim Frisör, der Arztbesuch oder eine Restaurantreservierung werden ohnehin meist online vereinbart. Sogar Psychologen/innen haben sich inzwischen dem Problem angenommen.

Die Osterfeiertage liegen hinter uns, glücklicherweise hat das Wetter einigermaßen mitgespielt und man konnte mit den Kids was unternehmen. Sonst wären die Diskussionen vorprogrammiert – ums Daddeln, Zocken, Gamen, Chatten etc. Ein gutes Stück der Freizeit wird in den Familien heute mit dem Handy, am Tablet bzw. dem Bildschirm verbracht. Im Idealfall kann man sich gemeinsam auf eine Runde mit der X-Box oder die neue Netflix-Serie einigen. Je nach Alter der Kids ist es auch möglich sich auf ein paar Handylose Stunden zu verständigen – wenn das Alternativ-Programm stimmt. Mit zunehmendem Alter wird auch das immer schwieriger.