Fragwürdiger Hype um Methylenblau

Mal wieder breitet sich ein nicht ungefährlicher Trend auf TikTok und YouTube aus. Blaue-Zungen-Videos als Folge der Einnahme von Methylenblau findet man vor allem bei Vertretern der Biohack-Szene, die sich durch gesundheitliche Selbstoptimierung profilieren. Hierzu werden Rezepte wie „Methylenblau-Orangensaft“ oder „Methylenblau mit Zitrone“ geteilt. Das Ergebnis ist nicht nur eine stark blau gefärbte Zunge, sondern angeblich auch eine bessere Konzentration sowie eine Zunahme an körperlicher und geistiger Energie. Daneben reduziere Methylenblau auch die Zellalterung und somit den oxidativen Stress im Körper. Was ist dran am aktuellen Hype um den in der Medizin schon seit dem 19.Jahrhundert bekannten Stoff aus der Molekularbiologie?

Färbe- und Lebensmittel?
Methylenblau ist keine natürliche Substanz, sie dient seit langer Zeit als Färbemittel und macht in der Laborarbeit Bakterien sichtbar. Nebenbei entdeckte man aber auch seine Wirkung als Mittel gegen Malaria. Noch heute dient es als Gegenmittel bei Nitratvergiftungen und anderen Pestiziden und wurde intravenös als verschreibungspflichtiges Mittel zugelassen. Flüssig und als Pulver ist es als Laborchemikalie und zu Dekorationszwecken frei erhältlich. Zur Einnahme sollte es unbedingt mit Lebensmittelqualität deklariert sein und aus Europa stammen (Reag. Ph. Eur.). Inzwischen wurde synthetisiertes Methylenblau für diverse medizinische Einsatzbereiche getestet, vor allem gegen psychische Erkrankungen wie bipolare Störungen, aber auch zur Förderung der geistigen Fähigkeiten bei Alzheimer wurde lange geforscht. Studien zeigten aber nicht den erhofften Effekt, so dass Methylenblau aus der Demenzforschung wieder verschwunden ist.

Von Biohacks angepriesen
Bleibt die Frage nach einer möglichen Leistungssteigerung des Gehirns sowie die allgemeine Gesundheitsförderung, wie in Biohacks angepriesen. Im Netz wird es deshalb gern als Gehirndoping und Anti-Aging-Wunder bezeichnet, da es die Energieversorgung des Körpers verbessern soll. Entsprechende Studien belegen dies bislang nicht. Paul Ehrlich hatte es im 19. Jahrhundert allerdings gegen die Tropenkrankheit Malaria eingesetzt. Eine Zulassung als Malaria-Medikament hat Methylenblau aber nie bekommen. Es gab einige vielversprechende Ansätze, die sich langfristig nicht bestätigt haben. Heute noch warnen Spezialisten vor den möglichen langfristigen Nebenwirkungen sowie Überdosierungen.

Gefährliche Neben- und Wechselwirkungen
Wer Methylenblau einnimmt, sollte wissen, dass es dafür nicht vorgesehen und geprüft ist und sich der Risiken bewusst sein. Mögliche Nebenwirkungen sind neben Übelkeit, Erbrechen und Schwindel, Kopfschmerzen sowie eine Blaufärbung von Haut, Urin und Schleimhäuten. Auch schwerere Komplikationen wie eine Hämolyse, eine Auflösung der roten Blutplättchen, kann die Folge sein. Eine weitere bekannte Wechselwirkung ist das gefährliche Serotoninsyndrom, das sich bei der therapeutischen Gabe von Serotonin, wie bei Depressionen üblich, entwickeln kann. Auch die Kombination mit Tramadol oder Ecstasy kann zu einem lebensgefährlichen Anstieg des Serotoninspiegels führen – mit Bluthochdruck, Herzrasen, Hitze und Muskelzucken bis zum Organversagen. Forschende warnen vor der leichtfertigen Einnahme von Methylenblau. Schon ab etwa 2 mg pro Kilo Körpergewicht kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.

Apotheken nehmen Politiker in die Pflicht

Immer öfter sieht man in den Medien, dass Apotheken regionale Politiker*innen einladen um ihnen zu zeigen, welche Probleme den Apothekenalltag derzeit bestimmen. Auch Ministerpräsidenten und sogar Olaf Scholz durften hier schon hospitieren. Der Apothekenverband ABDA hatte im Frühjahr dazu aufgerufen, sich direkt an Landtags- aber auch Bundestagsabgeordnete zu wenden, ihnen die Situation zu erklären und sie in die Apotheke einzuladen. Nötig sei dies, weil man bei Gesundheitsminister Lauterbach auf taube Ohren stoße. Seither kann man also nicht nur von zahlreichen Apotheken-Schließungen lesen, sondern auch von ungewohnten Apothekenbesuchern.

Keine Abstimmung im Kabinett
Wie erfolgreich diese Aufklärungs-Visiten momentan sind, sieht man schon daran, dass es dem Gesundheitsminister bisher nicht, wie noch Mitte des Jahres geplant, gelungen ist, das umfangreiche Apotheken-Reformgesetz schnell und schmerzlos durchzuwinken. Bei jeder neuen Kabinettssitzung verschwindet es wieder von der Abstimmungs-Agenda. Nach den Protestaktionen von 2023 gibt es auch dieses Jahr wieder erheblich mehr Gegenwind als dem Minister lieb sein kann.

Gegenwind von den Bundesländern
Immer mehr Politiker*innen stellen sich landauf landab auf die Seite der Apotheken und gegen Lauterbachs Reformpläne. Diese zeichnen sich u. A. durch Apotheken ohne Apotheker*innen sowie Telepharmazie als Ersatz für persönliche Beratung aus. Vergeblich sucht man hier aber Regelungen für ein besseres Auskommen der noch existierenden Apotheken. Viele haben inzwischen verstanden, worum es der Politik jetzt eigentlich gehen müsste: darum die Versorgung zu sichern, die Schließungswelle zu stoppen und die Apotheke wieder zu einem attraktiven und zukunftsfähigen Arbeitsplatz zu machen, also zu dem, was sie immer war.

Wundermittel wasserstoffreiches Wasser?

Schon einige Jahre lang besteht der Hype um mit H2 angereichertes Wasser. Nicht nur für Sportler soll es Wunder wirken, auch chronisch Kranken und zur Gesunderhaltung habe es einiges zu bieten. Vor allem in Asien hat sich der H2-Trend durchgesetzt. Erstmals entdeckt wurde sein Wirkung 2007 von einem japanischen Forscher. Bei Ratten ließen sich mittels Wasserstoff Gewebeschäden und Durchblutungsstörungen reduzieren. Nachfolgende Tests zeigten seinen antioxidativen Einfluss. Als kleinstes bekanntes Molekül kann es leicht in die Zellen und betroffenes Gewebe eindringen. Seither wurde in zahllosen Studien sein therapeutischer Nutzen beleuchtet.

Freie Radikale vs. Wasserstoff
Insbesondere der antioxidative Effekt, der Organe, Gefäße und das Herz-Kreislauf-System vor schädlichen Freien Radikalen schützen soll, steht hier im Fokus. Wasserstoff neutralisiert als Antioxidans besonders gefürchtete Freie Radikale, die durch Stress und krankhafte Abläufe im Körper entstehen. Zirkulieren langfristig zu viele von ihnen, steigt das Risiko für z. B. Diabetes, Alzheimer, Parkinson und sogar Allergien. Auch chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Arthritis gehen mit oxidativem Stress einher, der oftmals weitere Erkrankungen nach sich zieht.

Kaum belastbare Studien
Molekularer Wasserstoff kann als zugesetztes Gas inhaliert oder durch in Wasser gelöste Tabletten getrunken werden. Beliebt sind auch ionisierende Wasseraufbereiter. Täglich 500 ml sollen angeblich die Entzündungs- sowie die Cholesterinwerte reduzieren und antioxidativ und zellschützend wirken. Bei Sportlern soll es sich positiv auf Training sowie die anschließende Regeneration auswirken. Wer sich aber eingehender online informiert, merkt schnell, dass sich in erster Linie die Nutznießer, also Hersteller positiv zur Wirkung äußern. Neutrale Bewertungen findet man kaum, offizielle Stellen vermissen belastbare Studien und nennen es eine Modeerscheinung. Da allein der verbundene Wasserkonsum einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat, fällt ein Pro oder Contra entsprechend schwer.

Riskante Einschlafhilfen mit Melatonin

Bei leichten Schlafstörungen wird als Alternative zu verschreibungspflichtigen Schlaftabletten immer öfter zu Melatonin gegriffen. Dabei werden die Sprays, Kapseln, Tropfen oder Weichgummis nicht nur in Apotheken, sondern ebenso in Drogeriemärkten oder übers Internet gekauft. Möglich ist dies, weil zahlreiche Melatoninprodukte als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) eingestuft sind und nicht als Arzneimittel. Höher dosierte Melatonintabletten sind verschreibungspflichtig. Niedrigdosierte Produkte gelten dagegen als NEM. Recht großzügig verfahren manche Hersteller mit den Dosierungsempfehlungen. Dabei handelt es sich bei Melatonin um ein wichtiges Hormon, das unseren Schlafrhythmus steuert. Dunkelheit regt seine Produktion an und wir werden müde. Nimmt man jedoch zu viel, kann genau dieser Rhythmus durcheinandergeraten, z. B. wenn man es immer zu unterschiedlichen Zeiten einnimmt.

Unbekannte langfristige Folgen
Auch wenn es nicht abhängig machen soll: Die Folgen einer langfristigen Einnahme sind derzeit noch unbekannt, vor allem für Kinder. Studien zeigen, dass Eltern den Kleinen immer häufiger die vermeintlich harmlosen Einschlafhilfen mit Melatonin geben, anstatt nach den Ursachen einer Schlafstörung zu suchen. Bei Jugendlichen hat das Hormon Melatonin Einfluss auf Wachstum und Hormonstatus, dessen langfristige Folgen derzeit unbekannt sind. Man sollte grundsätzlich mit Melatoninprodukten, die als Nahrungsergänzungsmittel deklariert sind, vorsichtig sein und bei anhaltenden Schlafproblemen ärztlichen Rat suchen. Das Bundesamt für Risikobewertung warnt vor allem Schwangere, Stillende, Jugendliche und Kinder vor einer langfristigen Einnahme. Aber auch gesunde Erwachsene sollten die möglichen Risiken bedenken.

Risiko Dosierung
Bei vielen Nicht-Apotheken-Produkten übersteigt die empfohlene Tagesdosis die übliche Dosierung melatoninhaltiger Arzneimittel. Die Folgen sind u. A. Tagesmüdigkeit, eine verlängerte Reaktionszeit, die das Unfallrisiko erhöht sowie Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Gangunsicherheit. Außerdem kann es den Blutzuckerspiegel erhöhen, problematisch vor allem für Typ-2-Diabetiker. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall können auftreten. Vorsicht ist besonders bei der Kombination mit Mitteln gegen Bluthochdruck geboten. Wichtig ist es, den Einnahmezeitpunkt und die Dosierung zu beachten. Viele Produkte zur Selbstmedikation enthalten zu hohe Dosen von mehreren Milligramm, obwohl ein leichteres Einschlafen i. d. R. schon mit 0,5 Milligramm erreicht würde.

Einschlafzeitpunkt verschieben
Gegen einen Jetlag oder bei Schichtarbeit kann die Einnahme von Melatonin den Einschlafzeitpunkt kurzfristig verschieben und so die Umstellung erleichtern. Insgesamt sind die Eingriffe erheblich komplexer als dies in der Werbung für Melatoninprodukte suggeriert wird. Oftmals sind bei Schlafstörungen vor allem langfristige Verhaltensänderungen nötig. Melatonin sollte in keinem Fall eine Dauerlösung sein.

Von vergessenen und verschwundenen E-Rezepten

Seit neun Monaten wird das E-Rezept nun verpflichtend für Kassenpatienten in Arztpraxen ausgestellt und von den Apotheken meist über die elektronische Gesundheitskarte ausgelesen. Nach den bekannten Anlaufschwierigkeiten, insbesondere unerwünschten Zeitverzögerungen und Wartezeiten, ist es inzwischen um das E-Rezept ruhiger geworden. Trotz allem bietet es für die Apotheken immer wieder neue Herausforderungen. Wenig hört man beispielsweise über gelöschte Rezepte, die technisch offenbar verschwunden sind, obwohl die behandelnde Praxis sicher ist, sie ausgestellt zu haben. Auch wenn der Unmut dann oft an den Apotheken hängen bleibt, ein neues Rezept kann nur die Praxis ausstellen.

Oft einfach vergessen
Häufig entdeckt man auf den Elektronischen Gesundheitskarten auch längst eingelöste Rezepte, die sich eigentlich 100 Tage nach der Einlösung automatisch selbst löschen sollten. Gravierender als diese sind allerdings Rezepte, die schlicht auf der Karte vergessen wurden und 28 Tage nach Ausstellung ungültig werden. Nicht selten hat der/die Patient/in keinen Überblick, was verordnet wurde oder vergisst einfach, dass auf seiner Karte noch ein nicht eingereichtes Rezept gespeichert ist. Mit dem Card-Link-Verfahren (z. B. von gesund.de) kann man jetzt mit dem Handy seine Gesundheitskarte selbst auslesen und so vergessene Rezepte rechtzeitig entdecken.

Gelöscht ist gelöscht
Will man Rezepte dauerhaft aufbewahren, sollte man die Daten auf der Elektronischen Patientenakte (ePA) speichern, die derzeit aber noch wenig verbreitet ist. Verfügt man nicht über die Card-Link-App, sollte man uns bitten nachzusehen, ob die eG-Karte noch Rezepte enthält, die man einlösen oder löschen möchte. Oft weisen wir aber auch die Kunden/innen auf diese direkt hin und fragen nach. Wird ein Rezept allerdings von Patienten aus Versehen gelöscht, können wir i. d. R. nicht helfen. Dann muss die Praxis ein neues Rezept ausstellen.

Was hilft gegen Liebeskummer?

Wohl jeder hatte ihn schon und kaum ein Gefühl ist so gefürchtet. Ob mit 16 oder mit 60, Liebeskummer schafft es garantiert uns emotional aus der Bahn zu werfen. Verantwortlich dafür sind im Grunde die Hormone, die in Sachen Liebe verrücktspielen – mal himmelhoch-jauchzend oder eben auch zu-Tode-betrübt. Der typische Trennungsschmerz ist vergleichbar mit einem Verlustschmerz nebst entsprechend notwendiger Trauerarbeit. Aber auch von einer unerwiderten großen Liebe muss man sich entsprechend verabschieden, um wieder positiv nach vorne zu schauen. Das Motto heißt: Loslassen, nicht nur emotional, sondern auch praktisch im Alltag. Sich verabschieden von Vertrautem und Gewohnten sowie oftmals für die Zukunft Geplantem. Das Leben umgestalten oder einen Neustart wagen. Das verunsichert, kann Angst machen und lässt so manchen in eine Depression rutschen. Wenn der Kummer zulange das Gedankenkarussell bestimmt und auch nach Monaten noch kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird, ist professionelle therapeutische Hilfe gefragt.

Vielfältige körperliche Symptome

Manche Therapeuten vergleichen ihn aufgrund der körperlichen Symptome sogar mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie reichen von Unwohlsein, Übelkeit und Magenschmerzen über Schlafstörungen, Appetit- und Antriebslosigkeit bis zu Schwindel, Atemnot, Herzproblemen und Panikattacken. Als Folge von Liebeskummer kann sich letztlich das sogenannte Broken-Heart-Syndrom entwickeln, das einem Herzinfarkt sehr ähnlich ist. Doch es gibt noch ganz andere Parallelen. Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass bei Liebeskummer dieselben Hirnregionen aktiv sind wie bei Drogenabhängigen auf Entzug. Der Begriff Liebeskummer scheint angesichts der möglichen gesundheitlichen Probleme eher eine Verharmlosung. Wie aber kann man sich selber helfen? Wer anfangs Rotz und Wasser heult, gibt dem Körper die Chance zum wichtigen Stressabbau.

Hormone im Ausnahmezustand
Eine gute Resilienz hilft schneller aus dem Tal der Tränen wieder heraus und regt die Produktion fehlender Hormone wie Dopamin und Serotonin an. Mit Freunden*innen reden hilft ebenso wie Sport machen und aktives Ablenken, sich auf Sudoku konzentrieren, ein Musikinstrument oder eine neue Sprache erlernen. Etwas tun, was man schon lange ausprobieren oder wieder neu entdecken wollte. Wer das schafft, hat die schlimmste Phase hinter sich und orientiert sich nach vorne statt Vergangenem nachzutrauern. Dabei kann eine Auflistung all der Eigenschaften helfen, die man am anderen schon immer gehasst hat. Abschließend am besten den Zettel vernichten. Regelmäßige Bewegung hilft vor allem den schwankenden Hormonen, die einen immer wieder runterziehen können.

Notwendige Trauerarbeit
Und ganz im Gegensatz zu Schmerztabletten, die -kein Scherz- mitunter empfohlen werden, zeigt eine neue Studie, dass bei schweren Formen von Liebeskummer eine elektrische Hirnstimulation helfen kann. Beim maximalen Liebestrauma-Syndrom, das bis zum Verlust des Selbstwertgefühls und der Tendenz zum Stalken führen kann, wäre die Elektrotherapie laut einer aktuellen Studie eine sinnvolle Ergänzung zur reinen Verhaltenstherapie, die nicht bei jedem/r Patienten/in greift. Statistisch gesehen dauert laut einer Studie von 2021 Liebeskummer durchschnittlich rund 12 Monate, bei Männern häufig ein paar Wochen länger als bei Frauen. Geben wir also den Emotionen und Hormonen die Zeit, die sie brauchen um sich wieder zu stabilisieren.  

Gesundes-Herz-Gesetz – mehr Prävention in der Apotheke?

Die Sterblichkeitsrate durch Herzinfarkte und Schlaganfälle ist hierzulande höher als in den meisten anderen westlichen Industrienationen. Ihr Anteil liegt bei 40 Prozent aller Sterbefälle. Neben einem flächendeckend verbesserten Rettungsdienst, der Betroffene schneller erreicht, geht es dem Bundesgesundheitsminister auch um eine bessere Prävention damit Risikopatienten*innen früher erkannt werden. Laut dem geplanten „Gesundes-Herz-Gesetz“ sollen dabei neben Hauarztpraxen vor allem Apotheken mit im Boot sein. Das Gesetz sieht regelmäßige Herz-Checks im Kindes- und Jugendalter sowie mit 25, 35 und 50 Jahren vor. Um spätere Gefäßverschlüsse zu verhindern, sollen frühzeitig Fettstoffwechselstörungen und Arteriosklerose identifiziert und behandelt werden. Das neue Gesetz ist für Mitte 2025 geplant und sieht die Früherkennung erhöhter Cholesterinwerte vor. So soll u. a. eine familiär bedingte Hypercholesterinämie aufgedeckt werden. Der Check-up soll dann neben der Hausarztpraxis auch in der Apotheke als zusätzliche pharmazeutische Dienstleistung möglich sein und dokumentiert werden. In diesem Zusammenhang sollen hier auch ergänzende Beratungsmöglichkeiten z. B. zur Rauchentwöhnung angeboten werden. Wir werden Sie hierüber rechtzeitig informieren.

Gefährliches Grippe-Virus und neue Covid-Welle

Viele hüten trotz sommerlicher Temperaturen mit Fieber und Erkältung das Bett. Schon seit Mai verzeichnen Gesundheitsbehörden einen allgemeinen Anstieg an Atemwegsinfekten. Unter den Millionen von Erkrankungen ist derzeit auch Covid-19 stark vertreten – mit steigender Tendenz, belegbar durch die Viruslast der bundesweiten Abwasseranalysen. Auch in den Hausarztpraxen herrscht zunehmend Betrieb. Mediziner**innen beobachten das Virusgeschehen hierzulande aber noch gelassen. Von gefährlichen neuen Corona-Mutationen ist derzeit nicht die Rede. Mehr Sorge bereitet den Infektiologen seit dem Frühjahr die Ausbreitung einer neuen Vogelgrippe-Mutation in den USA. Hier tritt sie inzwischen vermehrt unter Säugetieren, insbesondere Rindern auf und es ist denkbar, dass sie auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Das H5N1 Virus ist dem typischen Grippe-Virus sehr ähnlich.

Vogelgrippe-Mutation in den USA
In den USA wurden bereits einzelne Menschen mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert. Solche Infektionen sind zwar selten, haben aber durch das häufige Auftreten von Lungenentzündungen oft einen schweren Verlauf. Neue Impfstoffe auf mRNA-Basis sind bereits in der klinischen Erprobung. Auch Kühe sollen bald geimpft werden, da sie in direktem Kontakt zum Menschen stehen. In Finnland werden Personen, die auf Pelztier- und Geflügelfarmen arbeiten oder mit der Entsorgung kranker Tiere zu tun haben, bereits gegen H5N1 geimpft. In Deutschland wurde das Virus, im Gegensatz zu den USA, bisher weder in Kühen noch in der Milch identifiziert. Die WHO ist jedoch alarmiert und Experten warnen: Es sei nicht die Frage ob eine neue Grippe-Pandemie komme, sondern lediglich wann. Entsprechend könnte man den aktuellen Grippe-Impfstoff falls nötig schnell an das Vogelgrippe-Virus anpassen. Zur Erinnerung: spätestens ab Oktober sind sowohl Grippe- als auch Covid-Impfungen in der Bären-Apotheke Herrenberg wieder möglich.

Tücken der Cannabis-Legalisierung

Schnell war klar, dass die Cannabis-Freigabe für den privaten Gebrauch nicht in allen Bereichen ganz einfach umzusetzen ist. Wo liegen gesundheitliche Risiken und wie lassen sie sich umgehen? Selten findet man hier eindeutige Antworten. Nicht zuletzt da sich die Bären-Apotheke seit Langem um Patienten kümmert, die medizinischen Cannabis benötigen – der allerdings anderen Regeln unterliegt, ist uns das Thema wichtig. Wann darf man sich beispielsweise nach dem Cannabis-Konsum wieder ans Steuer eines Fahrzeugs setzen?  Aktuelle Tests zeigen, dass dies später als gedacht der Fall ist. Die Grenzwerte sind bekannt, aber wann diese erreicht sind, ist für den Einzelnen schwer einzuschätzen.

24 Stunden nicht ans Steuer
Ähnlich wie beim Alkohol liegen hier die Selbsteinschätzung und die reale Fahrtüchtigkeit weit auseinander. Auch wenn die THC-Konzentration im Einzelfall schon unterhalb des Grenzwertes liegt, kann diese noch stark eingeschränkt sein. Erst rund 20 Stunden nach dem Konsum waren die Probanden wieder in der Lage risikolos am Straßenverkehr teilzunehmen. Der ADAC rät deshalb dringend dazu 24 Stunden lang das Auto stehen zu lassen, denn selbst wenn der THC-Wert unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt, kann ein auffälliges Fahrverhalten zu einer Anzeige und einer MPU (Medizinisch-psychologischen Untersuchung) führen.

Gefahr von Psychosen bei Jugendlichen
Viele Gegner der Freigabe warnten vor den langfristigen Folgen des THCs vor allem für Jugendliche. Kanadische Forschende haben jetzt den häufigen Zusammenhang von Cannabis-Konsum und dem Auftreten psychotischer Störungen bei jungen Erwachsenen festgestellt. Fünf von sechs Teenager, die deswegen stationär behandelt werden mussten, hatten vorher Cannabis konsumiert. Man geht davon aus, dass dies mit dem gestiegenen THC-Gehalt zusammenhängt. In den 80er Jahren lag der THC-Wert des Cannabis in Kanada bei einem Prozent, heute liegt dieser bei 20 Prozent. Das THC ist verantwortlich für die Rauschwirkung. Jugendliche, die sich neurologisch noch in der Entwicklung befinden, reagieren laut Medizinern*innen eher sensibel auf THC. Das Risiko für eine psychotische Störung ist deshalb durch den Cannabis-Konsum aktuell 11-mal höher.

Apotheken-Tipps für die Sommerferien

Die Koffer sind aufgegeben und man sitzt endlich am rechten Platz im Flieger. Auf Langstreckenflügen gönnt man sich zum Auftakt des Urlaubs gern ein Gläschen Sekt. Eine deutsche Forschungsgruppe hat nun jedoch herausgefunden, dass dieser bei niedrigem Luftdruck in großer Höhe das Herz-Kreislauf-System schlafender Passagiere belastet. Die Sauerstoffsättigung liegt hier ohnehin nur noch bei knapp 90 Prozent und sinkt durch den Alkohol noch weiter. Gleichzeitig geht der Puls hoch, da das Herz dies über die höhere Frequenz auszugleichen versucht. Dies betrifft selbst junge gesunde Menschen. Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen können durch die Wirkung  des Alkohols ernsthafte Probleme bekommen. Herzstillstände sind für 58 Prozent aller Umleitungen von Flugzeugen verantwortlich. Dann doch besser den gerade in luftiger Höhe so beliebten würzigen Tomatensaft trinken, der nebenbei noch das Thromboserisiko senkt.

Reise-Bescheinigungen für Arzneimittel
Vor jedem Urlaub stellt man sich die Frage, welche Medikamente sollte man mitnehmen und was ist bei Reisen ins Ausland dringend nötig. Bei manchen Wirkstoffen gilt es auch den Einfluss von täglicher UV-Strahlung durch ausreichend Sonnenschutz zu beachten. Für chronisch Kranke mit lebensnotwendiger Medikation geht es dabei auch um die nötigen Dokumente, damit es bei der Einreise keine Probleme gibt. Vor allem sogenannte Betäubungsmittel (BTMs) – wozu auch starke Schmerzmittel zählen, müssen durch eine entsprechende Bescheinigung der Arztpraxis belegt werden. Bei Fernreisen am besten mehrsprachig mit Auflistung der Tagesdosis, der Wirkstoffe und der für den Urlaub notwendigen Gesamtmenge. Bei den Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens ist dies klar geregelt, manch andere Länder verbieten die Einfuhr aber komplett. Führt man medizinischen Cannabis mit sich, ist hierfür meist ebenfalls eine Reisebescheinigung nötig. Weitere Infos und Formulare findet man beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) unter https://www.bfarm.de/DE/Home/_node.html

Kühlung für Mensch und Pillen
Manche Medikamente reagieren auf hohe Temperaturen und müssen deshalb vor Hitze geschützt werden. Dies gilt insbesondere für Insulin, dass über 30 Grad ausflockt und unbrauchbar wird. Typ-1-Diabetiker müssen im Sommer grundsätzlich genauer auf ihren Blutzuckerspiegel achten. Hohe Temperaturen können die Durchblutung anregen und wer zusätzlich noch sportlich aktiv ist, muss u. U. mit einem plötzlichen Abfall des Blutzuckers rechnen. Dann sind schnell wirksame Kohlehydrate wichtig, um eine Unterzuckerung zu verhindern.

Sommerliche Nebenwirkungen
Wer denkt schon daran, dass auch starkes Schwitzen oder eine Dehydrierung die Wirkung von Medizin beeinträchtigt? Unerwartete Nebenwirkungen, wie Herz-Kreislauf-Beschwerden und Überdosierungen können die Folge sein. Medikamente, die bei sommerlicher Hitze u. U. Probleme machen sind Betablocker, Beruhigungsmittel, Diuretika und Abführmittel sowie Medikamente gegen Depressionen. Aber auch Schmerzmittel in Kombination mit Bluthochdruck können bei hohen Temperaturen gefährlich werden. Besser vor Reiseantritt in der Hausarztpraxis nachfragen oder bei uns vorbeikommen.